Zukunft der Bioökonomie: Projekt „SoBio2“ zeigt den optimalen Biomasseeinsatz bis 2050

Im Projekt „Szenarien zum optimalen Einsatz von Biomasse in der Bioökonomie bis 2050“ des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ) und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) wurde der kosteneffiziente Einsatz der begrenzt verfügbaren Biomasse in den Sektoren Energie, Chemie, Torfersatz und Holzbau sowie für die Erzeugung von Negativemissionen zur Erreichung der Klimaschutzziele bis 2050 in Deutschland untersucht. Mithilfe von Systemmodellierungen sowie verschiedenen Szenarien- und Sensitivitätsanalysen liefert das Projekt robuste Perspektiven für die Etablierung der Bioökonomie innerhalb des Untersuchungsrahmens. Am 5. Mai 2026 fand mit über 230 Teilnehmenden die Abschluss-veranstaltung des SoBio2-Projekts statt.

Im Rahmen der von Prof. Dr. Daniela Thrän (UFZ) moderierten Abschlussveranstaltung präsentierten die Wissenschaftler:innen Dr. Kathleen Meisel (DBFZ) und Dr. Matthias Jordan (UFZ) die zentralen Ergebnisse des Projektes, ergänzt wurden die präsentierten Ergebnisse durch Kurzstatements der Expert:innen Dr. Wiebke Jander (UBA), Dr. Wadim Weber (VCI), Prof. Jürgen Karl (Universität Erlangen-Nürnberg) und Sven Selbert (NABU) sowie durch zahlreiche Anmerkungen und Rückfragen der rund 230 Teilnehmenden.

Einigkeit bestand in der Erkenntnis, dass Biomasse als wertvolle erneuerbare und begrenzte Ressource primär dort eingesetzt werden soll, wo sie im Vergleich zu alternativen Optionen kostenoptimal zur Bedarfsdeckung bei gleichzeitiger Erreichung der Klimaschutzziele eingesetzt werden kann. „Die begrenzte Biomasse wird dort eingesetzt, wo nicht-biogene Alternativen am kostenintensivsten sind: im Flug- und Schiffsverkehr (HEFA, LNG), in der Hochtemperatur-industrieanwendung – hier in großen Teilen mit der Abscheidung und Speicherung von CO2 kombiniert -, in der flexiblen Stromerzeugung (Biogas), in der Spitzenlastwärmeerzeugung in älteren, unsanierten Gebäuden und in der chemischen Industrie (Ethanol, Methanol zur Erzeugung von Olefinen und Aromaten)“, so Dr. Kathleen Meisel vom DBFZ. Ergänzend wies Dr. Matthias Jordan (UFZ) darauf hin, dass die eingesetzten Holzmengen im Holzbau langfristig kosteneffizient erst dann signifikant steigen, wenn zusätzliche Holzpotenziale über eine höhere Mobilisierung oder Importe verfügbar sind oder eine verbindliche Holzbauquote implementiert wird. In verschiedenen Kurzstatements der Expert:innen wurde zudem bekräftigt, dass Klimaschutz nicht mit umfassender Nachhaltigkeit gleichzusetzen sei. Auch wenn Biomasse einen signifikanten Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leiste, müsse deren Bereitstellung stets die Biodiversität und weitere Umweltbelange berücksichtigen, um eine wirklich nachhaltige Transformation zu gewährleisten, so die Teilnehmenden.

Abschließend sollen die wissenschaftlichen Kernbotschaften gezielt in den Kontext der aktuellen politischen Diskussionen rund um die Bioökonomie gesetzt sowie Empfehlungen für die Politik abgegeben werden. Der Abschlussbericht wurde im Rahmen der DBFZ-Schriftenreihe als „DBFZ Report Nr. 56“ veröffentlicht und steht kostenfrei als Download zur Verfügung.

 

Weitere Informationen und Downloads:

Abschlussbericht: www.dbfz.de/report_sobio2
Projektwebseite BENOPT-Modellierung: https://www.ufz.de/index.php?de=52711
Projektseiten SoBio2: www.dbfz.de/sobio2 / www.ufz.de/index.php?de=50539
Präsentationsfolien: www.dbfz.de/abschluss_sobio2



Smart Bioenergy – Innovationen für eine nachhaltige Zukunft 

Das Deutsche Biomasseforschungszentrum arbeitet als zentraler und unabhängiger Vordenker im Bereich der energetischen und stofflichen Biomassenutzung an der Frage, wie die begrenzt verfügbaren Biomasseressourcen nachhaltig und mit höchster Effizienz und Effektivität zum bestehenden und zukünftigen Energiesystem beitragen können. Im Rahmen der Forschungstätigkeit identifiziert, entwickelt, begleitet, evaluiert und demonstriert das DBFZ die vielversprechendsten Anwendungsfelder für Bioenergie und die besonders positiv herausragenden Beispiele gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Mit der Arbeit des DBFZ soll das Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen einer energetischen und integrierten stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe in einer biobasierten Wirtschaft insgesamt erweitert und die herausragende Stellung des Industriestandortes Deutschland in diesem Sektor dauerhaft abgesichert werden – www.dbfz.de.