Hydrothermale Prozesse
Das Herzstück der hydrothermalen Aufbereitungsanlage im Modul „Hydrothermale Prozesse“ (HTP) ist ein 500-Liter- bzw. 0,5 m3-Edelstahlreaktor, der für die Behandlung insbesondere stark wasserhaltiger Biomassen und Reststoffe unter erhöhtem Druck und erhöhter Temperatur ausgelegt ist. In diesem Kontext werden Verfahren für den Aufschluss, die Aufbereitung und die Veredelung von Biomasse zusammengefasst, die typischerweise bei Temperaturen von 150 bis 280 °C und Drücken von etwa 5 bis 65 bar über Zeiträume von etwa dreißig Minuten bis hin zu wenigen Stunden ablaufen. Der Reaktor selbst kann bei Bedingungen von bis zu 240 °C und rund 40 bar betrieben werden und dient sowohl der Vorbehandlung komplexer Biomassen für die anaerobe Vergärung als auch der Nachbehandlung beziehungsweise Aufbereitung von Gärresten.
Ein wesentliches Merkmal des Systems ist ein wandnaher und spiralförmiger Rührer mit einem maximalen Drehmoment von 8000 Nm, der die Verarbeitung unterschiedlicher realer Biomassearten mit einem hohen Trockensubstanzgehalt ermöglicht. Unterstützt wird der Prozess durch einen integrierten Dampferzeuger, der trotz des großen Reaktorvolumens eine hohe Aufheizrate von bis zu 2 K/min gewährleistet. Eine enge Prozessüberwachung sorgt zudem für eine präzise Steuerung und Regelung der Reaktionsbedingungen.
Unter erhöhten Temperaturen und Drücken werden die polymeren Bestandteile der Biomasse hydrolytisch in ihre Monomere zerlegt, die sich anschließend weiter zersetzen und neu anordnen, wodurch Hydrokohle sowie wasserlösliche Produkte entstehen. Im unteren Temperatur- und Verweilzeitbereich wird der Prozess gezielt zum Aufschluss der Lignozellulose-Matrix eingesetzt. Dadurch wird die Biomasse für die an der anaeroben Fermentation beteiligten Mikroorganismen besser zugänglich und leichter abbaubar, was in kürzerer Zeit zu einer erhöhten Biogasausbeute führt.
Bei der Gärrestaufbereitung können hingegen höhere Temperatur- und Druckniveaus genutzt werden, um wässrige Gärreste in Hydrokohle umzuwandeln und gleichzeitig eine gezielte Verschiebung von Nährstoffen zwischen der festen und der flüssigen Phase zu erreichen. So kann beispielsweise Phosphor aus der festen Phase in die flüssige Phase überführt und anschließend in nachgeschalteten Prozessen, etwa durch Fällungsreaktionen, zurückgewonnen werden.
Beschickung
Die Biomasse oder der Gärrest wird in Fässern gesammelt und in den Beschickungsbehälter überführt. Ein Schneckenförderer, der für trockene und faserige Materialien sowie Schlämme geeignet ist, führt das Gemisch in den Reaktor ein. Der Reaktor wird dicht verschlossen, und die Reaktion kann beginnen.
Hydrothermale Reaktion
Temperatur und Reaktionszeit hängen von der Art des Materials und seiner späteren Verwendung ab. Für die Vorbehandlung wird eine vergleichsweise geringe Severität gewählt. Das Hauptziel besteht hier darin, die Biomasse zu hydrolysieren, um die Biogasausbeute und -kinetik im Anschluss zu verbessern. Bei der Verwendung von Gärrest werden schärfere Reaktionsbedingungen gewählt, um das Material zu karbonisieren und eine Hydrokohle zu erhalten. Nach der Reaktion kann das Produkt mithilfe des Thermalöls im Mantel aktiv gekühlt werden.
Produktverwertung
Das Produktgemisch wird durch Öffnen des Kugelhahns am Boden entnommen. Je nach Anwendungsfall wird es entweder der anaeroben Vergärung zugeführt oder kann zur Nachbehandlung geleitet werden, um das Prozesswasser zu reinigen und die Hydrokohle abzutrennen. Der hohe Nährstoff- und Kohlenstoffgehalt der Hydrokohle eröffnet mögliche Verwendungswege, wie beispielsweise die Bodenausbringung oder die Kohlenstoffabscheidung, -nutzung und -speicherung.
Technische Details
Nennvolumen: 500 l
Betriebstemperatur: bis zu 240 °C
Betriebsdruck: bis zu 40 bar
Heizrate: ca. 2 K/min
Werkstoff: Edelstahl 316
Maximales Rührerdrehmoment: 8000 Nm
Highlights
• Optionale prozessintegrierte Dampfinjektion
• Wandnah montiertes Spiralrührwerk für die Verarbeitung von echter Biomasse
• Einfüllschnecke
• Doppelmantelreaktor mit aktiver Kühlung







