1. Arbeitspaket: Moor-Revitalisierung und Flächeneinrichtung
Moorwandel in Malchin: Vom Nutzungsdruck zur nachhaltigen Perspektive
Die Entwässerung von Mooren war über Jahrzehnte hinweg eine gängige Praxis – sei es für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Torfabbau oder zur Sicherung der Nahrungsmittelproduktion. Heute zeigt sich jedoch, dass diese Nutzung erhebliche Auswirkungen auf das Klima hat.
Die Wiedervernässung von Mooren markiert daher einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Sie bedeutet nicht nur ökologische Wiederherstellung, sondern auch eine Neuausrichtung der Landnutzung für Eigentümerinnen und Eigentümer sowie landwirtschaftliche Betriebe.
Damit dieser Wandel gelingt, setzt die Region Malchin gezielt auf strukturierte Dialog- und Beteiligungsformate. In Runden Tischen kommen Landwirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Naturschutz regelmäßig zusammen, um Ziele abzustimmen und konkrete Maßnahmen zu diskutieren. Feldtage ermöglichen den Austausch zu technischen und wirtschaftlichen Fragen, etwa zur Bewirtschaftung nasser Flächen oder zur Verwertung von Moorbiomasse.
Ergänzt wird dies durch Vor-Ort-Termine und Flächenbegehungen, bei denen Maßnahmen gemeinsam geplant und direkt im Gelände bewertet werden. Offene Informationsveranstaltungen schaffen Transparenz und binden die Öffentlichkeit in den Transformationsprozess ein.
So entsteht Schritt für Schritt ein gemeinsames Verständnis für die unterschiedlichen Anforderungen und Möglichkeiten. Die Moorflächen werden nicht nur revitalisiert, sondern auch zukunftsfähig genutzt. Neue Ansätze wie die Ernte und Verwertung von Moorbiomasse eröffnen wirtschaftliche Perspektiven – etwa für die Bauindustrie oder andere biobasierte Branchen.
Der Ansatz zeigt: Durch kontinuierlichen Dialog und enge Zusammenarbeit lassen sich Klimaschutz, wirtschaftliche Interessen und regionale Entwicklung erfolgreich miteinander verbinden.
Planung und Umsetzung der Wasserstandsanhebung und Flächeneinrichtung
Im Arbeitspaket 1 werden alle Maßnahmen zur Wasserstandsanhebung auf entwässerten Moorflächen sowie zur Klimaschutzoptimierung bestehender Moore gebündelt. Ziel ist es, Moorflächen langfristig zu revitalisieren und nachhaltig zu nutzen.
Die Koordination übernimmt die Stadt Malchin durch eine Moormanagerin. Fachlich wird das Arbeitspaket durch die Universität Greifswald begleitet, während der Wasser- und Bodenverband „Obere Peene“ seine Expertise im Wassermanagement einbringt. Die Einbindung von Flächeneigentümer*innen und regionalen Akteuren erfolgt kontinuierlich über Dialogformate.
Vorgehensweise
Die Umsetzung erfolgt in fünf aufeinander aufbauenden Phasen:
- Vorbereitung und Flächenauswahl: Analyse der Moorflächen und Abstimmung mit regionalen Akteuren
- Machbarkeitsstudien und Vorplanung: Bewertung geeigneter Flächen und Entwicklung erster Maßnahmen
- Genehmigungsplanung: Erstellung und Abstimmung der Planungsunterlagen
- Umsetzung: Realisierung der wasserbaulichen Maßnahmen und Anpassung der Flächennutzung
- Nachbetreuung: Monitoring, Wassermanagement und Dokumentation
Zielsetzung
Im Projektverlauf sollen mindestens 300 Hektar Moorfläche revitalisiert werden. Die Umsetzung erfolgt schrittweise und in enger Abstimmung mit allen Beteiligten, um eine langfristig tragfähige und klimafreundliche Nutzung sicherzustellen.
Begleitung und Optimierung der Paludikultur
Das Arbeitspaket 1.2 umfasst die Entwicklung, Umsetzung und wissenschaftliche Begleitung von Paludikultur-Konzepten auf wiedervernässten Moorflächen. Ziel ist es, geeignete Pflanzen zu identifizieren, nachhaltige Anbausysteme zu entwickeln und deren Nutzung sowie Verwertung zu optimieren.
1) Vorbereitung und Konzeptentwicklung
In der Konzeptphase werden potenzielle Moorpflanzen, Anzuchtmaterialien sowie Ernte- und Verwertungssysteme analysiert. Dabei werden wissenschaftliche Literatur, Standortbedingungen (z. B. Wasserstände, Nährstoffe) und regionale Akteure einbezogen. Auf dieser Basis werden flächenspezifische Paludikultur-Konzepte entwickelt und erste technische Ernte- und Bewirtschaftungsansätze erarbeitet.
2) Umsetzung und Demonstration
In der Umsetzungsphase werden die Konzepte auf den Flächen praktisch erprobt und wissenschaftlich begleitet. Dazu gehört die Etablierung der Zielvegetation sowie die Dokumentation der Auswirkungen von Maßnahmen und Erntetechnik.
3) Nachbetreuung und Optimierung
Nach der Etablierung erfolgt eine mehrjährige Begleitung der Flächen. Dabei werden Bewirtschaftung, Ernteprozesse und Logistik optimiert sowie Daten zur Biomassequalität und Nutzung ausgewertet. Die Ergebnisse fließen in die Weiterentwicklung praxisnaher Empfehlungen ein und bauen auf Erfahrungen aus vorherigen Projekten auf.
4) Weiterentwicklung der Bewirtschaftung
Auf Basis der Projektergebnisse werden Ernteverfahren, Technik und Bewirtschaftungsstrategien kontinuierlich angepasst. Analysen zu Stoffströmen und Biomassequalität unterstützen die Optimierung der energetischen und stofflichen Nutzung sowie die langfristige Wirtschaftlichkeit der Paludikultur.

