Biomasseverwertung

Hydrothermale Prozesse eignen sich besonders für die Veredelung nasser, biogener Stoffströme in feste, flüssige oder gasförmige Kohlenstoffträger. Große Wassermengen sind für viele Konversionstechnologien hinderlich und erfordern oft eine aufwendige Entwässerung als Vorbehandlung. Dieser energieintensive Prozessschritt bleibt bei der hydrothermalen Umsetzung erspart, wodurch sich energetische Vorteile in der Reststoffverwertung ergeben. Für die HTP eignen sich Biomassen mit Wassergehalten von bis zu 95 %. Ein weiterer Vorteil der hydrothermalen Behandlung ist die im Prozess erreichte Hygienisierung des Stoffstroms, die eine weitere Verwertung erleichtert.

 


Insbesondere bei der Entsorgung von Klärschlamm und tierischen Güllen, welche die größte heimische Phosphorquelle für die Landwirtschaft darstellen, entsteht auf Grundlage verschärfter gesetzlicher Bestimmungen zur Verwertung zunehmend ein Entsorgungsdruck. Für solche Reststoffe eignet sich insbesondere die Umwandlung via hydrothermaler Carbonisierung. Die so erhaltenen, kohleartigen Produkte weisen einen höheren Brennwert auf und sind durch ihre hydrophoben (wasserabweisenden) Eigenschaften deutlich einfacher mechanisch zu entwässern. Dies kann eine Folgenutzung oder Nährstoffrückgewinnung erheblich erleichtern und hilft auf diese Weise Stoffkreisläufe nachhaltig zu schließen und die Umwelt zu schonen.

Aber auch klassische Biomasse, wie Holz, Gras oder Stroh, oder biogene Reststoffe, wie Biertreber oder Gärrest, lassen sich hydrothermal carbonisieren. Wird kein kohleartiges Produkt gewünscht, ist eine Umwandlung via hydrothermaler Verflüssigung oder Vergasung denkbar, die zu flüssigen bzw. gasförmigen Produkten führen. Diese lassen sich zu entsprechenden Energieträgern weiterverarbeiten. Ist ein biogener Reststoff besonders reich an Kohlenhydraten, ist auch eine Verwertung zu Plattformchemikalien via HTP interessant.

 

Projektbeispiel
Pilot-SBG
In diesem Projekt werden hydrothermale Prozesse als Teil einer Pilot-Anlage zur Herstellung von nachhaltigem Flüssigerdgas (LNG) untersucht. Der Ansatz im durch das BMVI geförderten Forschungsvorhaben „Pilot-SBG“ verfolgt den Aufschluss schwer vergärbarer Einsatzstoffe unter milden hydrothermalen Bedingungen und somit die Erhöhung der Gesamtmethanausbeute. Zusätzlich findet die hydrothermale Carbonisierung Einsatz bei der Nutzbarmachung anfallender Gärreste.
www.dbfz.de/pilot-sbg

 

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