Wirtschaft


Im Vergleich zur Bundesebene weisen die Reviere mit Blick auf wesentliche Kennzahlen unterdurchschnittliche Entwicklungen auf, die regional teilweise stark variieren. So bezifferte sich die Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen im Jahr 2017 im Mitteldeutschen auf 55.658 € und im Lausitzer Revier auf 55.020 €. Damit lag die durchschnittliche Bruttowertschöpfung in beiden Revieren deutlich unterhalb des Bundeswertes (66.700 €). Eine weitere Parallele zeigt sich für den Wirtschaftsabschnitt Bergbau, Energie- und Wasserversorgung sowie Energiewirtschaft, der gerade für die Wertschöpfung der Landkreise mit Tagebauaktivitäten mitbestimmend ist.

Die größten Umsätze werden, wie auch auf nationaler Ebene, in den Wirtschaftsabschnitten Handel einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen und im Verarbeitenden Gewerbe erzielt. Dazu gehören Industriebranchen wie die Automobilindustrie, die Chemieindustrie, der Maschinen- und Anlagenbau oder die Umwelt- und Energietechnik. Sie bilden das wirtschaftliche Rückgrat der Reviere. Darin spiegelt sich das Selbstverständnis als Industrieregion wider. Damit verbunden ist der Anspruch, diese Basis im Transformationsprozesses zu erhalten bzw. zu stärken. Auch die Bereiche Logistik und IT-Dienstleitungen sind in beiden Revieren gleichermaßen stark vertreten. Insgesamt verfügen die Regionen damit über Technologie- und Wissensbasen, die auch im Kontext der Entwicklung zukunftsweisender Bioökonomien wichtige Funktionen einnehmen können.

Die regionale Wirtschaftskraft der Reviere, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf, ist seit 1995 kontinuierlich gestiegen. Die Differenz zum Bundesdurchschnitt besteht jedoch über den Zeitverlauf hinweg. So lag das BIP pro Kopf im Lausitzer Revier 2017 bei rund 72 % Prozent des bundesweiten Wertes, im Mitteldeutschen Revier bei etwa 75 %. Es zeigt sich, dass die Verdichtungsräume Leipzig, Halle und Cottbus hinsichtlich ihrer Wirtschaftskraft die größte Dynamik in den Revieren aufweisen. Insgesamt geht die Angleichung der regionalen Wirtschaftskraft nur langsam voran.

Unternehmensgewinne liegen nach wie vor knapp ein Fünftel unter dem Bundesdurchschnitt

Einen Überblick über die wirtschaftsstrukturellen Unterschiede gibt die sektorale Verteilung der Bruttowertschöpfung und der Erwerbstätigen. Die ersten beiden Karten stellen die durchschnittliche Wertschöpfung je Erwerbstätigen und deren prozentuale Anteile an den Wirtschaftszweigen dar. Die folgenden Karten zeigen die durchschnittliche Erwerbstätigenquote und deren prozentuale Wirtschaftszweiganteile. Die Größe der in den Karten dargestellten Diagramme steht in Relation zum jeweils größten absoluten Wert der Wertschöpfung und Erwerbstätigen. Für beide Kennziffern sind die Daten der Stadt Leipzig maßgebend. Die Kreise und kreisfreien Städte gliedern sich in die Klassen 25 - 50 % und < 25 % des Wertes von Leipzig.


Orientiert an der Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ 2008), des Statistischen Bundesamtes wird im Folgenden die wirtschaftliche Lage der Regionen dargestellt.


» Download: Mitteldeutsches Revier [Grafik] [Daten] Lausitzer Revier [Grafik] [Daten


Die durchschnittliche Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen bzw. das Produktivitätsniveau belief sich im Jahr 2017 im Mitteldeutschen auf 55.658 € und im Lausitzer Revier auf 55.020 €. Dabei reicht die Spanne in beiden Gebieten von 48.831 € (Bautzen) bis zu 73.531 € (Spree-Neiße). Der Wert des Landkreises Spree-Neiße liegt fast 7.000 € über dem Bundesdurchschnitt. Dies liegt an der hohen Bruttowertschöpfung und vergleichsweise geringen Anzahl an Erwerbstätigen im Landkreis. Den großen Anteil der Wertschöpfung macht der sekundäre Sektor (produzierendes Gewerbe – graues Farbschema im Diagramm) mit 59 % aus. Der Anteil der Erwerbstätigen in diesem Sektor ist mit 37,6 % verhältnismäßig gering.

Die hohe Produktivität dieses Sektors wird noch deutlicher mit Blick auf den darin enthaltenen Wirtschaftsabschnitt Bergbau, Energie- und Wasserversorgung sowie Energiewirtschaft. In diesem werden 40,8 % der Wertschöpfung mit 10,1 % der Erwerbstätigen des Spree-Neiße-Kreises erzeugt. In den Landkreisen mit Tagebauaktivitäten Leipzig, Görlitz, Saale- und Burgenlandkreis sind Parallelen zu erkennen – jedoch in kleinerem Ausmaß.


» Download: Mitteldeutsches Revier [Grafik] [Daten] Lausitzer Revier [Grafik] [Daten]


Die durchschnittliche Erwerbstätigenquote, als Anteil der Erwerbstätigen an der gesamten Bevölkerung, betrug im Jahr 2017 im Mitteldeutschen Revier 48,1 % und im Lausitzer Revier 46,6 %. Die Kenngröße steht in direktem Zusammenhang zur demografischen Entwicklung und wird beeinflusst durch die Branchenstruktur. So ergeben sich in Gebieten mit ausgeprägtem tertiären Sektor (Dienstleitungsbereich – blaues Farbschema im Diagramm) hohe Quoten. Vor allem die kreisfreien Städte mit ihrem jeweiligen Handels-, Finanz- und Verwaltungswesen weisen entsprechende Werte auf.

Der primäre Sektor (Land- und Forstwirtschaft – grünes Farbschema im Diagramm) besitzt im Kreis Elbe-Elster mit 3,6 % an der Bruttowertschöpfung und 4,7 % an den Erwerbstätigen ein überdurchschnittliches Gewicht, was den ländlichen Charakter der Region widerspiegelt.


Regionale Unterschiede in den Anteilen der Wirtschaftsabschnitte Bergbau, Energie- und Wasserversorgung sowie Energiewirtschaft


Im Jahr 2017 betrug der Anteil des Wirtschaftsabschnittes Bergbau, Energie- und Wasserversorgung sowie Energiewirtschaft an der Bruttowertschöpfung in Deutschland 2,8 %, im Mitteldeutschen Revier 5,4 % und im Lausitzer Revier 10,4 %. Die Anteile fallen vor allem in den Tagebaukreisen nochmals größer aus. Im Mitteldeutschen Revier gilt das für den Landkreis Leipzig mit den Tagebauen Schleenhain und Teilen von Profen (2017: 11,5 %), gefolgt vom Saalekreis mit dem Kraftwerk Schkopau (9,2 %) und dem Burgenlandkreis mit dem Großteil des Tagebaus Profen (8,2 %).



» Download:  Anteile der Wirtschaftsabschnitte im Mitteldeutschen Revier [Grafik] [Daten]


Noch deutlicher werden die Effekte des Braunkohlebergbaus im Lausitzer Revier. So befinden sich die Tagebaue Jänschwalde und Welzow-Süd im Landkreis Spree-Neiße (40,8 %) und die Tagebaue Nochten und Reichwalde im Landkreis Görlitz (14,7 %). Über die Zeit hinweg betrachtet, führte der im Jahr 2000 einsetzende Anstieg der Preise in diesem Sektor bis zu dessen Höhepunkt im Jahr 2010 für eine zusätzliche Ausdehnung des Wirtschaftsabschnittes.[1]



» Download:  Anteile der Wirtschaftsabschnitte für das Lausitzer Revier [Grafik] [Daten]


Auch das BIP pro Kopf liegt durchschnittlich ca. ein Viertel unter dem Bundesdurchschnitt

Als Indikator für die Wirtschaftskraft findet zumeist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf Anwendung. Im Lausitzer Revier lag das BIP pro Kopf im Jahr 2017 bei 72 % des Bundesdurchschnitts von 39.650 €. Zwischen 1995 und 2017 haben fast alle Kreise, gemessen an der Bundesrepublik, unterdurchschnittliche Werte aufgewiesen. Einzig der Landkreis Spree-Neiße hat das nationale Niveau im Jahr 2010 überschritten. Der Anstieg im Kreis Spree-Neiße ist vermutlich auf die Braunkohleaktivitäten zurückzuführen. So führte der Preisanstieg im Sektor zugleich zu einer Ausdehnung der Produktion.[1] Im brandenburgischen Vergleich liegen neben Spree-Neiße auch Cottbus und Dahme-Spreewald seit 2006 über dem Durchschnitt.

 


» Download: BIP pro Einwohner im Lausitzer Revier 1995 bis 2017 [Grafik] [Daten]


In allen Regionen ist das BIP pro Kopf seit 1995 gestiegen. Allerdings variiert die Entwicklung der Kenngröße in den Gebieten stark. So weisen die Bundesländer und die Kreise Bautzen, Görlitz, Elbe-Elster und Oberspreewald-Lausitz ein relativ konstantes Wachstum auf. Im Unterschied dazu stieg in Dahme-Spreewald und Spree-Neiße das BIP pro Kopf zwischen den Jahren 2005 bis 2010 exponentiell an. Der Kreis Dahme-Spreewald dürfte dabei von der Nähe zu Berlin und dem 2006 begonnenen Bau des Hauptstadtflughafens profitiert haben.


Im Jahr 2017 lag das BIP pro Kopf in Polen im Durchschnitt bei 12.200 € und in der Tschechischen Republik bei
18.100 €. In dem direkt an das Lausitzer Revier angrenzenden polnischen Gebiet Lubuskie wurden 83 % des
nationalen Werts erreicht. Die Region Dolnośląskie übertraf den polnische Durchschnittswert um 10 %. In den beiden tschechischen Regionen Severozápad und Severovýchod lag die Kennziffer bei 71 % bzw. 84 % des nationalen Werts.[2]



» Download: BIP pro Einwohner im Mitteldeutschen Revier 1995 bis 2017 [Grafik] [Daten]


Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf erreichte im Jahr 2017 im Mitteldeutschen Revier knapp 75 % des gesamtdeutschen Niveaus. Die kreisfreie Stadt Leipzig lag mit 90,6 % am nächsten am Bundesdurchschnitt von
39.650 €. Die Entwicklung der Kenngröße ist im Mitteldeutschen Revier sehr unterschiedlich verlaufen. Während der Saalekreis sein BIP pro Kopf kontinuierlich von rund 69 auf 86 % des Bundesniveaus steigern konnte, registrierte die Stadt Halle einen leichten Rückgang von 81 % im Jahr 1995 auf 74 % im Jahr 2017. Im Vergleich zu den Landkreisen ist das BIP pro Kopf in den Verdichtungsräumen Leipzig und Halle immer noch näher am Bundesdurchschnitt und weist auch ggü. dem jeweiligen Bundesland eine überdurchschnittliche Entwicklung auf.


Vergleicht man die Reviere miteinander, zeigen sich Parallelen. So ist das BIP pro Kopf in beiden Regionen im Zeitraum von 2007 bis 2017 um rund 35 % angewachsen – und damit um gut sieben Prozentpunkte stärker als im Rest Deutschlands. Jedoch weisen immer noch neun der insgesamt 16 Kreise und kreisfreien Städte pro Kopf-Werte von unter 70 % des gesamtdeutschen Niveaus aus. Auch der Vergleich mit den betreffenden Bundesländern verdeutlicht die unterdurchschnittliche Entwicklung und unterstreicht die regionalen Unterschiede in beiden Revieren.

Ursachen der vergleichsweise geringen Wirtschaftskraft in den Regionen sind unter anderem die Kleinteiligkeit der ostdeutschen Wirtschaft, der Mangel an Großunternehmen und Konzernzentralen, der geringe Anteil wissensintensiver Industrien und Dienstleistungen sowie anhaltende Bevölkerungsverluste.[3] [4]


Die Stadt Leipzig und der Landkreis Bautzen verzeichnen die meisten Unternehmen in den Revieren



» Download: Unternehmen nach Beschäftigtengrößenklassen 2017 [Grafik] [Daten]


Im Jahr 2017 zählte das Unternehmensregister im Lausitzer und Mitteldeutschen Revier insgesamt 118.876 Unternehmen. Die meisten Unternehmen sind im Mitteldeutschen Revier angesiedelt. Rund ein Drittel davon sitzt allein in der Stadt Leipzig. Im Lausitzer Revier befindet sich etwa jedes vierte Unternehmen im Landkreis Bautzen.

Die Mehrzahl der Unternehmen in den Revieren zählt – genau wie auf nationaler Ebene – zur Gruppe der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) mit bis zu 249 Beschäftigten. Knapp 90 % gelten als Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten. Der Anteil der Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten beträgt in den Revieren 0,4 %. Jedes fünfte Großunternehmen befindet sich dabei in der Stadt Leipzig.



» Download: Unternehmen nach Wirtschaftsabschnitten 2017 [Grafik] [Daten]


Die prozentuale Verteilung der Unternehmensanzahl nach Wirtschaftsabschnitten zeigt: die meisten Unternehmen sind in den Bereichen Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation tätig. Finanz-, Verssicherungs-, Unternehmensdienstleister sowie Grundstücks- / Wohnungswesen stellen die zweitgrößte Gruppe. Es folgen die Bereiche Erziehung, Gesundheit und sonstige Dienstleistungen. Insgesamt zählen ca. drei Viertel der Unternehmen zu diesen Wirtschaftsabschnitten des tertiären Sektors (blaues Farbschema). Im sekundären Sektor (graues Farbschema) dominiert das Baugewerbe mit rund 8.000 Unternehmen im Lausitzer und 11.600 Unternehmen im Mitteldeutschen Revier.


Handel und Verarbeitendes Gewerbe sind die umsatzstärksten Branchen der Reviere



» Download: Umsatzsteuerpflichtige und steuerbarer Umsatz aus Lieferungen und Leistungen 2018 [Grafik] [Daten]


Fast 90% der rund 119.000 ansässigen Unternehmen im Lausitzer und Mitteldeutschen Revier sind umsatzsteuerpflichtig. Gemäß Umsatzsteuerstatistik erzielten sie im Jahr 2018 zusammen einen Umsatz in Höhe von fast 120 Milliarden Euro. Mit mehr als einem Viertel der Summe hat, bezogen auf die Gebietskörperschaften der Reviere, die Stadt Leipzig den höchsten Umsatz erwirtschaftet. Während sich die Anzahl der steuerpflichtigen Unternehmen in Mitteldeutschland gegenüber dem Jahr 2017 um knapp 300 verringerte, verzeichnete die Region ein bemerkenswertes Umsatzplus von 16,6 %. Dazu beigetragen haben unter anderem die Wirtschaftsbereiche Verarbeitendes Gewerbe und Energieversorgung. Im Lausitzer Revier nahm hingegen die Unternehmenszahl um ca. 1.000 und der Umsatz um ca. 1,9 % ab.

Welche Branchen sind besonders erfolgreich? Die größten Umsätze wurden, wie auch auf nationaler Ebene, in den Wirtschaftsabschnitten Handel einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (G) und im Verarbeitenden Gewerbe (C) erzielt. Im Mitteldeutschen Revier folgt der Abschnitt Energieversorgung (D) an dritter Stelle. Dieser verzeichnet mit ca. 13,3 Millionen Euro den höchsten Umsatz je steuerpflichtigen Unternehmen. Im Lausitzer Revier trifft dies mit etwa 2,9 Millionen Euro für die Unternehmen der Bergbaubranche (B) zu.[a] Im Mittel befinden sich die Umsätze der Unternehmen in den Revieren jedoch deutlich unter diesen Spitzenwerten. Mit 1,27 Millionen Euro liegt der durchschnittliche Umsatz im Mitteldeutschen Revier über dem Durchschnitt der jeweiligen Bundesländer, weist im Vergleich zur Bundesrepublik jedoch ein unterdurchschnittliches Niveau auf.



» Download: Steuerbarer Umsatz aus Lieferungen und Leistungen je steuerpflichtigen Unternehmen 2018 [Grafik] [Daten]


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Quellen

[1] Rosa-Luxemburg-Stiftung (Hg.) (2019): Nach der Kohle. Alternativen für einen Strukturwandel in der Lausitz. (S.17). Berlin.

[2] Eurostat (Hg.) (2019): BIP pro Kopf in 281 Regionen der EU. Regionales BIP pro Kopf reichte im Jahr 2017 von 31% bis 626% des EU-Durchschnitts (Pressemitteilung 34/2019). Online verfügbar, zuletzt geprüft am 14.07.2020.

[3]  Hirte, Christian (2019): Gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost- und Westdeutschland schaffen. In: ifo Schnelldienst 72, 16/2019, S. 7-10.

[4]  Brachert, Matthias; Graffenberger, Martin; Lang, Thilo (2020): Innovation und Wissenstransfer außerhalb der Agglomerationsräume. Kontextfaktoren, Strukturen und räumliche Muster. In: forum ifl 36, Online verfügbar, zuletzt geprüft am 15.09.2020.

Anmerkungen

[a]  Für das Lausitzer Revier liegen die Werte sowohl für die Energieversorgung als auch für den Bergbau nicht für alle Landkreise vor.