Raum & Bevölkerung


Das Mitteldeutsche Revier und das Lausitzer Revier befinden sich in zentraler Lage in Europa. Die Regionen sind an das transeuropäische Verkehrsnetz angeschlossen. Das Lausitzer Revier liegt zudem zwischen den Verdichtungsräumen Berlin und Dresden. Beide Reviere zeichnen sich durch umfassende, regionale Rohstoffverfügbarkeiten aus. Während das Mitteldeutsche Revier stark landwirtschaftlich geprägt ist, finden sich im Lausitzer Revier verstärkt Waldflächen.

Hinsichtlich ihrer Flächenausdehnung sind beide Regionen vergleichbar. Im Mitteldeutschen Revier leben mit gut zwei Millionen jedoch annähernd doppelt so viele Menschen, wie im Lausitzer Revier. Folglich ist die Bevölkerungsdichte im Lausitzer Revier deutlich geringer. Wenngleich beide Reviere in ihren Teilräumen überwiegend ländlich geprägt sind, existieren im Mitteldeutschen Revier mit Leipzig und Halle zwei Großstädte, die sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt und als wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Zentren etabliert haben. Funktionales Zentrum des Lausitzer Reviers ist Cottbus, gleichwohl ist die Stadt im statistischen Sinne inzwischen keine Großstadt mehr.

Beide Reviere hatten zwischen 2000 und 2019 einen deutlichen Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen (Lausitzer Revier: -17 %; Mitteldeutsches Revier: -7,5 %). Grundsätzlich spiegelt sich darin das Muster stabiler bzw. wachsender Großstädte und schrumpfender ländlicher Räume. Weiterhin zeichnen sich beide Reviere im Vergleich zum Bundesdurchschnitt durch hohe Anteile älterer Bevölkerungsgruppen aus. Diese Aspekte sind mit Blick auf die Verfügbarkeit von Arbeitskräften und damit zur Entwicklung bioökonomischer Transformationspfade von besonderer Relevanz.

Das Mitteldeutsche und das Lausitzer Revier verbinden Ost- und Westeuropa


Das Mitteldeutsche Revier und das Lausitzer Revier befinden sich in zentraler Lage in Europa. Die Regionen sind an das transeuropäische Verkehrsnetz angeschlossen. Das Lausitzer Revier liegt zudem zwischen den Verdichtungsräumen Berlin und Dresden. Beide Reviere zeichnen sich durch umfassende, regionale Rohstoffverfügbarkeiten aus. Während das Mitteldeutsche Revier stark landwirtschaftlich geprägt ist, finden sich im Lausitzer Revier verstärkt Waldflächen.



» Download: Reviere im Kontext transeuropäischer Verkehrsnetze [PNG | PDF]


Das Mitteldeutsche und das Lausitzer Revier befinden in sich innerhalb der Europäischen Union in zentraler Lage und sind mit Ost- und Westeuropa durch zahlreiche transeuropäische Straßen- und Schienenverkehrsnetze verbunden.


Mehr als die Hälfte der Fläche wird land- und forstwirtschaftlich genutzt

In Deutschland wird mehr als die Hälfte der gesamten Bodenfläche für landwirtschaftliche Zwecke verwendet. Allerdings nimmt der Anteil aufgrund stetig steigender Siedlungs- und Verkehrsflächen ab. Diese nehmen aktuell rund 15 % der Gesamtfläche ein. Wald- und Wasserflächen machen zusammen ca. 32 % der Gesamtfläche aus.



» Download: Flächenanteile 2019 [Grafik]


Im Lausitzer Revier entfallen ca. 42 % der Gesamtfläche auf die Landwirtschaft[a] und ca. 38 % auf Waldflächen. Verkehrs-und Siedlungsflächen machten zusammen knapp 14 % der Fläche aus.[b] Im Vergleich zum Lausitzer Revier nimmt die Waldfläche im Mitteldeutschen Revier einen deutlich geringeren Anteil (15,5 %) der Fläche ein. Hingegen entfallen hier 62,9 % der Fläche auf die Landwirtschaft.


Mitteldeutschland ist urbaner, die Lausitz dezentraler strukturiert


» Download: Raumstruktur der Modellregionen [Grafik] [Daten]


Das Lausitzer Revier und das Mitteldeutsche Revier erstrecken sich über mehrere Bundesländer. Der kreisscharfen Abgrenzung der Kohlekommission folgend, umfasst das Lausitzer Revier die südbrandenburgischen Landkreise Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz, Spree-Neiße sowie die kreisfreie Stadt Cottbus und die ostsächsischen Landkreise Bautzen und Görlitz. Somit reicht das Lausitzer Revier im Norden an die Stadtgrenze Berlins und schließt im Süden das Zittauer Gebirge ein. Im Osten grenzt das Lausitzer Revier an Polen, im Süden an Tschechien. Mit dem Landkreis Nordsachsen schließt sich im Westen unmittelbar eine Gebietskörperschaft des Mitteldeutschen Reviers an.

Das Lausitzer Revier umfasst eine Fläche von 11.727 km2. Im Jahr 2019 lebten etwa 1,15 Millionen Menschen im Lausitzer Revier. Mit einer Bevölkerungsdichte von knapp unter 100 Einwohner*innen je km2 ist die Region dünn besiedelt (Bundesdurchschnitt: 230 Einwohner*innen je km2). Der Landkreis Elbe-Elster gehört mit einer Dichte von 54 Einwohner*innen je km2 sogar zu den zehn am dünnsten besiedelten Landkreisen Deutschlands. Die geringe Bevölkerungsdichte entspricht der überwiegend ländlichen Prägung des Reviers.

Die bedeutendsten Städte sind Cottbus (Bevölkerungszahl 2019: 99.678) sowie Görlitz (56.819), Bautzen (38.977) und Hoyerswerda (32.775). Als Oberzentren bzw. als oberzentraler Städteverbund sind die vier Städte Wirtschafts-, Bildungs-, Innovations-, Kultur- und Verwaltungszentren mit überregionaler Bedeutung. Mit aktuell weniger als 100.000 Einwohner*innen ist Cottbus im statistischen Sinne keine Großstadt mehr. 

Das Lausitzer Revier beheimatet die sorbische Bevölkerungsgruppe. Die nationale Minderheit westslawischen Ursprungs pflegt in der Lausitz ihre spezifische Kultur und eigene Sprache. Schätzungen zufolge leben aktuell etwa 60.000 Sorb*innen, davon etwa 20.000 im brandenburgischen Teil und etwa 40.000 im sächsischen Teil.[1]



» Download: Bevölkerungsentwicklung 2000 bis 2019 [Grafik] [Daten]


Das Mitteldeutsche Revier erstreckt sich über drei Bundesländer sowie insgesamt sieben Landkreise und zwei kreisfreie Städte. Dazu gehören die Landkreise Anhalt-Bitterfeld, Mansfeld-Südharz, Saalekreis, Burgendlandkreis und die kreisfreie Stadt Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt, die Landkreise Nordsachsen und Leipzig sowie die Stadt Leipzig in Sachsen und das Altenburger Land in Thüringen. Mit 10.432 km2 Fläche ist das Mitteldeutsche Revier etwas kleiner als das Lausitzer Revier – jedoch lebten hier im Jahr 2019 mit 2,03 Millionen deutlich mehr Menschen. Daraus ergibt sich eine Dichte von 195 Einwohner*innen je km2

Leipzig (Bevölkerungszahl 2019: 593.145) und Halle (238.762) sind die zwei Großstädte des Mitteldeutschen Reviers. Sie haben sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt und als wirtschaftliche, wissenschaftliche und kulturelle Zentren etabliert. Insbesondere Leipzig hat sich, bezogen auf die Einwohnerzahl, in der Vergangenheit als wachstumsstärkste Großstadt Deutschlands hervorgetan und wird diesen Status vorerst auch beibehalten.[2] Außerhalb der beiden Großstädte sind die Landkreise des Mitteldeutschen Reviers eher ländlicher Prägung, wenngleich ein relativ dichtes Netz an Mittelzentren besteht.

Großstädte gewinnen und ländliche Räume verlieren Bevölkerung

Beide Reviere hatten in der Vergangenheit deutliche Bevölkerungsverluste zu verzeichnen. Das Lausitzer Revier hat in den Jahren 2000 bis 2019 rund 17 % seiner Bevölkerung eingebüßt, das Mitteldeutsche Revier 7,5 %. Das Ausmaß des Bevölkerungsrückgangs in den einzelnen Regionen ist durchaus unterschiedlich. Im Wesentlichen spiegelt die Bevölkerungsentwicklung stabile bzw. wachsende Großstadträume (Berliner Umland, Halle, Leipzig) und schrumpfende ländliche Räume wider.



» Download: Bevölkerung 2000 bis 2030 [Grafik] [Daten]


Im Betrachtungszeitraum stieg im Lausitzer Revier die Bevölkerung lediglich im an die Hauptstadtregion grenzenden Landkreis Dahme-Spreewald. Die Prognosen gehen für das Lausitzer Revier insgesamt, mit den Ausnahmen des Landkreises Dahme-Spreewald und der Stadt Cottbus, von einem weiteren, spürbaren Bevölkerungsrückgang (-9,4 %) aus.

Die Bevölkerungsentwicklung im Mitteldeutschen Revier wird stark durch die äußerst positive Dynamik Leipzigs, Deutschlands wachstumsstärkste Großstadt, überlagert. Analog zu den Entwicklungen im Lausitzer Revier haben auch die ländlich geprägten Landkreise des Mitteldeutschen Reviers seit dem Jahr 2000 teils massive Bevölkerungsverluste erlitten – auch hier gehen die Prognosen insgesamt von weiteren und teils deutlichen Verlusten aus (-3,7 %). Vor diesem Hintergrund erscheint die langfristige Entwicklung regionaler Bioökonomien besonders relevant, da diese explizit Entwicklungspotenziale in ländlichen Räumen freisetzen soll.[3]

Altersstruktur und Bevölkerungsrückgang stellen die Regionen vor Herausforderungen

Neben großräumigen Bevölkerungsverlusten sind beide Reviere und ihre Teilregionen durch bedeutende Veränderungen in der Altersstruktur gekennzeichnet. Wenngleich die Alterung der Bevölkerung in Deutschland zunimmt, weisen beide Reviere, im Vergleich zum Bundesdurchschnitt, einen größeren Anteil älterer Bevölkerungsgruppen auf. Dies hängt vor allem mit dem Fortzug jüngerer Bevölkerungsgruppen zusammen.


» Download: Altersstruktur im Lausitzer Revier [Grafik] [Daten



» Download: Altersstruktur im Mitteldeutschen Revier [Grafik] [Daten]


Der Anteil der Personen im Alter 65+ an der Gesamtbevölkerung liegt im Lausitzer Revier bei 27,4 % und im Mitteldeutschen Revier bei 24,9 % – und somit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 21,5 %. Damit ist der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter (15 bis unter 65 Jahre) deutlich geringer. Im Lausitzer Revier liegt dieser bei 60 % und im Mitteldeutschen Revier bei 62,2 % (Bundesdurchschnitt: 64,9 %). Diese demographischen Veränderungsprozesse wirken sich vielfältig auf das Leben in den Regionen aus. Beispielsweise durch eine erschwerte Fachkräftegewinnung oder Herausforderungen bei der Aufrechterhaltung sozialer und verkehrlicher Infrastrukturen – gerade in den ländlichen Teilregionen.



» Download: Altersstruktur in Deutschland 2018 [Grafik] [Daten]


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Quellen

[1] Müller, Winfried; Steinberg, Swen (2020): Region im Wandel. Eine kurze Geschichte der Lausitz(en). In: Aus Politik und Zeitgeschichte 70 (6-7), S. 15–22.

[2] Slupina, Manuel; Dähner, Susanne; Reibstein, Lena; Amberger, Julia; Sixtus, Frederik; Grunwald, Jennifer; Klingholz, Reiner (2019): Die demografische Lage der Nation. Wie zukunftsfähig Deutschlands Regionen sind. Originalausgabe. Berlin: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung.

[3] Bundesregierung (2020): Nationale Bioökonomiestrategie. Hg. v. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Berlin. Online verfügbar, zuletzt geprüft am 28.07.2020.

Anmerkungen

[a]  Zur besseren Vergleichbarkeit wurden die Zahlen der landwirtschaftlichen Fläche ab 2016 um Heide- und Moorflächen ergänzt.

[b]  Die übrigen 6 % an sonstigen Flächen umfassen beispielsweise Abbauland und Brachflächen.