Kohle & Strukturwandel


Aktuell wird in insgesamt 11 Mitgliedsstaaten der EU und in 31 Regionen Kohle gefördert. 230.000 Menschen sind direkt beschäftigt. Mit dem Green Deal hat die Europäische Kommission die Weichen für eine klimaneutrale Wirtschaft bis zum Jahr 2050 gestellt. Damit sehen sich die europäischen Kohleregionen komplexen Transformationsprozessen gegenüber, die es frühzeitig und zukunftweisend zu gestalten gilt. Eine Möglichkeit für die Regionen besteht darin, die Transformation so auszurichten, dass natürliche Stoffkreisläufe berücksichtigt und damit im Bereich der Bioökonomie neue und langfristige Beschäftigungs- und Wertschöpfungspotenziale geschaffen werden.

In Deutschland zählte die Braunkohlewirtschaft im Jahr 2019 etwa 20.000 Beschäftigte – verteilt auf die Reviere im Rheinland (9.900), der Lausitz (8.100) und in Mitteldeutschland (2.300). Mit der Braunkohlewirtschaft sind in den Regionen zudem indirekte Beschäftigungsverhältnisse verbunden. Einen ersten großen Strukturbruch verzeichnete die Braunkohlewirtschaft in den 1990er Jahren. Innerhalb von gut zehn Jahren sank die Beschäftigung in Deutschland von rund 158.000 (1988) auf 21.000 (2000) – in ähnlichem Verhältnis ging auch die Fördermenge zurück.

Der beschlossene Ausstieg aus der Braunkohleverstromung bis 2038 erfordert in den Revieren eine sozialverträgliche und zukunftsorientierte Strukturentwicklung. Wenngleich ein Großteil der aktuell Beschäftigten bis zur Stilllegung der Kraftwerke verrentet sein wird, handelt es sich größtenteils um gut bezahlte Industriearbeitsplätze, die es im Transformationsprozess gleichwertig zu kompensieren gilt. Der Wandel hin zu starken Bioökonomiestandorten bietet eine entsprechende Entwicklungsperspektive. Darüber hinaus können die derzeitigen Betriebsflächen im Mitteldeutschen Revier (12.300 ha) und im Lausitzer Revier (30.800 ha) in biobasierte und innovative Nutzungen überführt werden.

Europäische Kohleregionen stehen vor Transformation durch den Green Deal

Seit der Industrialisierung war Kohle einer der Hauptenergieträger in der Europäischen Union (EU) und förderte so auch deren wirtschaftlichen Aufschwung. Bei der Gewinnung und Verbrennung der Kohle werden jedoch Treibhausgase freigesetzt, die Mensch und Natur schaden. Der technologische Wandel hat indes wettbewerbsfähige, neue Energieträger hervorgebracht, die umweltfreundlicher sind und helfen, die klimapolitischen Ziele der EU zu erreichen. Spätestens mit ihrem Ende 2019 vorgestellten Green Deal hat die Europäische Kommission die Weichen für eine klimaneutrale Wirtschaft bis zum Jahr 2050 gestellt. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ein kontrollierter Ausstieg aus der Stein- und Braunkohleverstromung notwendig.[1]


» Download: Kennziffern des Kohlebergbaus in Europa [Grafik]


Aktuell arbeiten noch etwa 230.000 Menschen in den Berg- und Kraftwerken europäischer Kohleregionen – in 31 Regionen in elf Mitgliedsstaaten. Seit 2012 ist die kohlebasierte Energieerzeugung in der EU bereits um fast ein Drittel gesunken.[2] Der bevorstehende Wandel hin zu einer nachhaltigen Energieversorgung wird insbesondere für Regionen, die stark von der Kohle abhängen, mit wirtschaftlichen und arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen verbunden sein. Länder mit hohen Beschäftigtenzahlen wie Polen, die Tschechische Republik, Rumänien, Bulgarien, Deutschland, Spanien und Griechenland dürften die Effekte besonders stark spüren.

Der von der EU angestrebte Übergang zur ersten klimaneutralen Wirtschaftszone weltweit bedarf umfassender Strategien, um die damit verbundenen Herausforderungen für die Kohlebeschäftigten und ihre Kolleg*innen in angegliederten Industriezweigen zu bewältigen. Eine Möglichkeit diesen Wandlungsprozess zu gestalten, stellt die Bioökonomie dar. Deren Fokus liegt auf einer biobasierten, an natürlichen Stoffkreisläufen orientierten, nachhaltigen Wirtschaftsform.


Im Rahmen des deutschen Kohleausstiegs sollen mit dem MoreBio-Projekt die Grundlagen für die Gestaltung eines erfolgreichen Strukturwandels und dem Aufbau wirtschaftlich starker Bioökonomiestandorte in den zwei Braunkohlegebieten des Lausitzer und Mitteldeutschen Reviers geschaffen werden. Die gewonnenen Erkenntnisse besitzen Signalcharakter für jegliche vom Strukturwandel betroffene Region weltweit und stehen in engem Zusammenhang zum POWER4BIO-Projekt.


Kohleindustrie in Deutschland

Im Jahr 2018 waren in Deutschland insgesamt 47.710 Personen im Bergbau tätig. Dazu zählen auch die bundesweit etwa 20.000 Beschäftigten der Braunkohlewirtschaft. Während die Beschäftigungsentwicklung im Bergbau in den meisten Bundesländern rückläufig war, verzeichnete der Freistaat Sachsen eine Zunahme gegenüber dem Jahr 2010. Die Umsatzzahlen sind sowohl in Sachsen als auch in Brandenburg angestiegen. Ausschlaggebend dafür dürfte der Ausbau der Förderung des Braunkohle-Unternehmens LEAG im Lausitzer Revier sein.

Die Bruttolöhne im Bergbau schwanken stark in den betrachteten Ländern, liegen aber immer über dem gesamten Branchendurchschnitt. So lag beispielsweise das mittlere Jahresbrutto 2018 in Thüringen über alle Branchen hinweg bei 29.898 €[3]und im Bergbau bei 31.474€. Es gilt, auch nach dem Ende der Kohleverstromung in den Regionen entsprechend gut bezahlte Industriearbeitsplätze bereitzustellen.

 


» Download: Beschäftigte und Umsatz der Betriebe im Bergbau und der Gewinnung von Steinen und Erden 2018 [Grafik] [Daten]


Drei deutsche Reviere stehen vor einem weitreichenden Umbau

Die Braunkohlewirtschaft in Deutschland besitzt eine lange Tradition, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Die Förderung hat insbesondere seit den 1950er Jahren massiv zugenommen und prägt die Kohleregionen sowohl wirtschaftlich als auch landschaftlich. So mussten allein im Mitteldeutschen und im Lausitzer Revier etwa 250 Ortschaften der Braunkohle weichen und ca. 80.000 Menschen umgesiedelt werden.[4]

 


» Download: Braunkohleförderung und Beschäftigte im Braunkohlebergbau 1958 bis 2019 [Grafik] [Daten]


Von den ursprünglich sechs Abbaugebieten in Deutschland sind inzwischen nur noch drei aktiv: das Rheinische Revier als größtes, gefolgt vom Lausitzer und Mitteldeutschen Revier. Die Reviere in Helmstedt, Hessen und Bayern sind mittlerweile ausgekohlt. Die Braunkohlevorkommen in der Bundesrepublik umfassen rund 72 Mrd. Tonnen, von denen die Hälfte wirtschaftlich abbaubar ist.[5] Im Jahr 2019 wurden in den Revieren laut Statistik der Kohlenwirtschaft insgesamt etwa 131 Mio. Tonnen Braunkohle gefördert. Davon entfielen 65 Mio. Tonnen auf das in Nordrhein-Westfalen gelegene Rheinische, 52 Mio. Tonnen auf das Lausitzer und 14 Mio. Tonnen auf das Mitteldeutsche Revier. Der Großteil der deutschen Braunkohleproduktion dient der Strom- und Wärmeerzeugung.

Strukturbrüche in der Braunkohleindustrie

Die Braunkohlewirtschaft erlebte in den 1990er Jahren infolge des transformationsbedingten Zusammenbruchs der ostdeutschen Industrie und des Wechsels der Energieträger auf Öl, Gas und Uran einen drastischen Rückgang der Fördermenge und Beschäftigung. Die Zahl der Arbeitnehmer*innen sank von 1988 bis 2000 von rund 158.000 auf etwa 21.000. Gleichzeitig verringerte sich die Braunkohleförderung, trotz kurzen Anstiegs in den Folgejahren, kontinuierlich. Die Beschäftigtenzahl hingegen nahm unablässig ab, sodass bundesweit im Jahr 2019 nur noch knapp 12 % der Arbeitnehmer*innen von 1988 im Kohlesektor arbeiteten. Konkret handelt es sich um 20.336 Mitarbeiter*innen, was einem Anteil von 0,05 % aller Erwerbstätigen in Deutschland entspricht. Knapp die Hälfte der dort Beschäftigten sind im Rheinischen Revier tätig. Im Lausitzer Revier sind 8.116 Personen beschäftigt, d.h. etwa 1,5 % aller im Revier Erwerbstätigen. Das Mitteldeutsche Revier verzeichnet mit 2.334 Kohle-Beschäftigten einen Gesamtanteil von ca.
0,2 %. Im Rahmen des geplanten Kohleausstiegs der Bundesregierung werden spätestens bis zum Jahr 2038 die Braunkohlekraftwerke vom Netz gehen und die damit verbundenen Arbeitsplätze wegfallen.[6] 

Tagebauaktivitäten in den Revieren

Die Kohle wird in allen Lagerstätten im Tagebau gewonnen. Dazu muss zunächst die Deckschicht – der sogenannte Abraum – beseitigt werden. Je nach Revier variieren Tiefe und Mächtigkeit der Kohleschichten. So findet sich im Rheinischen Revier die Kohle in 100 bis 456 m Tiefe, im Lausitzer und Mitteldeutschen Revier in 80 bis 120 m.[7] Entsprechend unterscheidet sich auch das Verhältnis von Abraum zu Kohle: Mussten im Jahr 2019 im Rheinischen Revier 5,5 Kubikmeter Abraum beseitigt werden, um eine Tonne Kohle zu fördern, waren es im Lausitzer Revier 6,3 und im Mitteldeutschen Revier 3,7 Kubikmeter.


» Download: Braunkohle nach Tagebauen [Grafik] [Daten]


In den Revieren wird in insgesamt zehn Tagebauen Kohle gefördert. Im Großteil der Tagebaue wird seit mehr als 50 Jahren Kohle abgebaut. Der einzige Tagebau, der nach dem Jahr 2000 in Betrieb genommen wurde, ist Garzweiler im Rheinischen Revier. In der Region gibt es noch zwei weitere Tagebaue – Hambach und Inden – die alle vom RWE Konzern betrieben werden. 2019 wurden in diesen insgesamt 64,8 Mio. Tonnen Braunkohle gefördert, d.h. ungefähr 50 % der deutschen Braunkohlefördermenge. 

Das im Lausitzer Revier bestimmende Unternehmen für Braunkohleabbau ist die EPH-Tochter LEAG[a](↓). Die LEAG baute im Jahr 2019 knapp 52 Mio. Tonnen Braunkohle ab, um die brandenburgischen Kraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe sowie das sächsische Kraftwerk Boxberg mit Brennstoff zu versorgen. Während im Kraftwerk Jänschwalde primär Kohle aus dem gleichnamigen Tagebau verstromt wird, sind die Tagebaue Nochten und Reichwalde Hauptversorger des Kraftwerks Boxberg. Für das Kraftwerk und den Kohleveredelungsbetrieb Schwarze Pumpe werden jährlich bis zu 17 Mio. Tonnen Kohle im Tagebau Welzow-Süd gefördert.

Die Braunkohlefördermenge betrug im Jahr 2019 im Mitteldeutschen Revier 14 Mio. Tonnen und ist damit deutlich kleiner als in den beiden anderen Revieren. Die Lagerstättenvorräte umfassen etwa 10 Mrd. Tonnen, von denen ca. 2 Mrd. Tonnen als wirtschaftlich abbaubar gelten.[5] Der Tagebau Schleenhain dient der Versorgung des Kraftwerkes Lippendorf (↓).  Der Tagebau Profen versorgt das Kraftwerk Schkopau und die Betriebe der MIBRAG (Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH). Die MIBRAG ist die größte regionale Bergbaugesellschaft und betreibt neben den Tagebauen in Sachsen und Sachsen-Anhalt auch die Kraftwerke Deuben und Wählitz sowie die Staubfabrik in Deuben. Des Weiteren fördert die ROMONTA GmbH im eigens betriebenen Tagebau Amsdorf bitumenreiche Braunkohle zur Herstellung von Montanwachs.

Komplexes Firmengeflecht befindet sich in tschechischem Besitz

Die Struktur der ostdeutschen Braunkohle-Unternehmen ist ein komplexes Geflecht und von den zahlreichen Mutter- und Tochterfirmen und von teils intransparenten Eigentümerstrukturen geprägt. Im Kern teilen sich die beiden tschechischen Unternehmen EPH und PPF mit ihren Geschäftsführern Daniel Křetínský sowie Petr Kellner die ostdeutsche Braunkohlewirtschaft.

» Download: Struktur der Braunkohle-Unternehmen in den Revieren [PDF]


Die MIBRAG mbH mit Sitz in Zeitz gehört seit 2009 zur EPH-Gruppe. Die JTSD Braunkohlebergbau GmbH fungiert als Gesellschafter. Die MIBRAG ist seit 2016 in der Projektgruppe „Innovation im Revier“ der Metropolregion Mitteldeutschland aktiv und kooperiert darüber u.a. mit der GETEC green energy AG.

Die LEAG- Gruppe umfasst die Unternehmen Lausitz Energie Verwaltungs GmbH (LE-V), die Lausitz Energie Bergbau AG (LE-B) und die Lausitz Energie Kraftwerke AG (LE-K) sowie deren jeweilige Tochtergesellschaften. Der Konzern entstand im Jahr 2016 durch den Verkauf der Lausitzer Kraftwerke und Tagebaue von Vattenfall an das tschechische Konsortium bestehend aus Energetický a průmyslový holding, a.s. (EPH) und der PPF Investments. Die Unternehmen LE-B und LE-K befinden sich zu je 50 % im Besitz der EPH und der PPF Investments. Mehrheitseigentümerin ist die LE-V, die wiederum zu 100 % der LEAG Holding a.s. mit Sitz in Prag zugehörig ist. Die LE-V ist als Holding-Gesellschaft u.a. für das Rechnungs- und Steuerwesen der Bergbau- und Kraftwerkssparte zuständig.

Die LEAG war im Jahr 2018 hinter RWE der zweitgrößte Stromproduzent Deutschlands. Mit 58 TWh erzeugte das Unternehmen 16,5 % der gesamten Jahresstrommenge.[8] 

Das tschechische Energieversorgungsunternehmen Energetický a průmyslový holding, a.s. (EPH) ist eine Aktiengesellschaft und wurde im Jahr 2009 gegründet. Die Firma besteht aus über 70 Unternehmen. Dazu gehört auch die EP Power Europe Gruppe, deren Fokus auf Stromerzeugung, Braunkohlebergbau und erneuerbaren Energien liegt – vorwiegend in Italien, Deutschland, Großbritannien, der Tschechischen Republik und Slowakei.

PPF Investments ist ein Private-Equity-Unternehmen mit Tomáš Brzobohatý als Mehrheitsaktionär. Die Geschäftsbeziehungen zur niederländischen PPF-Group von Petr Kellner sind undurchsichtig. Allerdings hält PPF Investments 50 % der Anteile an den LEAG-Unternehmen LE-B und LE-K. Die PPF Gruppe tritt hierbei als Investor auf und die PPF Investments verwaltetet deren eingebrachte Mittel (vgl. PPF Investments, letzter Zugriff: 16.06.2020).

Die ROMONTA GmbH ist der weltweit größte Hersteller von Montanwachs und betreibt in Sachsen-Anhalt den firmeneigenen Tagebau Amsdorf. Konzernmutter ist die ROMONTA AG, die zum 01. Januar 2020 von der GETEC Energie Holding GmbH (GETEC) übernommen wurde (GETEC 2020).

Die stillgelegten Tagebaue und Veredelungsbetriebe in den beiden ostdeutschen Revieren werden durch das bundeseigene Unternehmen Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV)  saniert. Zu den Aufgaben zählen die Bergbausanierung und das Wasser- sowie Flächenmanagement. Die Finanzierung der Braunkohlesanierung erfolgt aus Bundes- und Landesmitteln. Für den Zeitraum 2018 bis 2022 stehen hierfür gemäß Verwaltungsabkommen Braunkohlesanierung (VA VI) 1.230 Mio. € zur Verfügung.[11] 


Kraftwerke

Für die technische Betriebsführung des Kraftwerks Schkopau mit zwei Blöcken je 450 MW installierter Leistung ist die Kraftwerk Schkopau Betriebsgesellschaft mbH verantwortlich. Konzernmütter sind die Uniper Kraftwerke GmbH mit 55,6 % und die Saale Energie GmbH mit 44,4 %. Im Jahr 2018 betrug die Strom- und Dampferzeugung des Kraftwerks Schkopau 5.784 GWh. Die erzeugte Energie dient der Versorgung der örtlichen Dow Olefinverbund GmbH, der DB Energie GmbH (Frankfurt a. M.) und der Vattenfall Europe Generation AG (Cottbus). Die Kraftwerk Schkopau GbR ist Eigentümerin des Braunkohlekraftwerks. Deren Gesellschafter sind wiederum die Uniper Kraftwerke GmbH mit 58,1 % und die Saale Energie GmbH mit 41,9 %. Die EPH-Gruppe besitzt bereits über die Saale Energie Anteile am Kraftwerk. Im Februar 2020 wurde bekannt, dass Uniper im Oktober 2021 seine Anteile an der Kraftwerk Schkopau GbR (58,1 %) an die EPH-Gruppe veräußern wird (vgl. Mitteldeutsche Zeitung vom 21.02.2020). Ferner hält der finnische Energiekonzern Fortum seit März 2020 die Mehrheit der Firmenanteile an Uniper (Handelsblatt vom 26.03.2020). Im Rahmen des geplanten Kohleausstiegs der Bundesregierung bis 2038 soll das Kraftwerk Schkopau Ende des Jahres 2034 vom Netz gehen.

Das Kraftwerk Lippendorf mit zwei Blöcken je 950 MW installierter Leistung wird von der LEAG betrieben. Block R des Kraftwerks befindet sich im Eigentum der LEAG, Block S im Eigentum der EnBW. Das südlich von Leipzig gelegene Kraftwerk deckt mehr als 60 % des Fernwärmebedarfs der Großstadt.[9] Die Abschaltung erfolgt nach Plänen der Bundesregierung Ende 2035.

Zur Erreichung der nationalen Klimaziele wurden die Blöcke F und E des Kraftwerks Jänschwalde mit ursprünglich sechs Blöcken je 500 MW installierter Leistung bereits zum 01.10.2018 bzw. zum 01.10.2019 vorläufig stillgelegt. Eine endgültige Stilllegung erfolgt nach 4-jähriger Sicherheitsbereitschaft. In ganz Deutschland sollen bis zum Jahr 2023 insgesamt 2,7 GW (ca. 13 % der Leistung aus der Braunkohleverstromung) zur CO2-Reduktion vom Netz genommen werden.[10] Die letzten der sechs Blöcke des Kraftwerks (C und D) werden Ende 2028 vom Netz gehen.


Die MIBRAG-Gruppe besteht aus fünf 100-prozentigen Tochterunternehmen und drei Beteiligungen. Dazu gehört u.a. die Helmstedter Revier GmbH, die für die Braunkohleverstromung im Kraftwerk Buschhaus zuständig war. Das Kraftwerk befindet sich seit 01. Oktober 2016 in Sicherheitsbereitschaft und wird 2020 vollständig stillgelegt. Der Arbeitsschwerpunkt der Helmstedter Revier GmbH liegt somit auf der Rekultivierung des Tagebaus.

Die Unternehmen Lausitz Energie Bergbau AG (LE-B) und Lausitz Energie Kraftwerke AG (LE-K) sind durch deren Mutterunternehmen Lausitz Energie Verwaltungs GmbH (LE-V) in der LEAG-Gruppe verbunden. Die LE-B übernimmt primär Aufgaben zur Förderung und Veredlung von Braunkohle. Sie hat drei 100-prozentige Tochterunternehmen. Die LE-K ist verantwortlich für die Erzeugung von Strom und Wärme und besitzt mit der Kraftwerk Schwarze Pumpe GmbH ein 100-prozentiges Tochterunternehmen.

Zur ROMONTA GmbH gehört die Tochtergesellschaft ROMONTA Beteiligungs- und Verwaltungs GmbH, die wiederum aus drei Tochterfirmen und einer Beteiligung besteht (GERO Solarpark GmbH).


» Download: Unternehmensgruppen [Grafik]


» Download: Jahresabschlüsse ausgewählter Unternehmen 2018 [Grafik]


Im Jahr 2018 wurden in den Tagebauen Profen und Schleenhain der MIBRAG GmbH 18,8 Mio. Tonnen Rohbraunkohle abgebaut. Abnehmer waren die Kraftwerke Lippendorf und Schkopau, die Stadtwerke Dessau und Chemnitz sowie das Werk der Südzucker AG in Zeitz. Zum Umsatz der MIBRAG tragen auch die Kraftwerke Deuben und Wählitz bei, welche Fernwärme und Prozessdampf für die Region bereitstellen. Ferner werden im Veredelungsbetrieb Deuben Braunkohlestaub und Briketts hergestellt. Insgesamt entfallen ca. 88 % des Umsatzes auf die Rohkohle, rund 4 % auf Verstromung und Fernwärme sowie 3 % auf Veredelungsaktivitäten. Die jährliche Wertschöpfung der MIBRAG im Mitteldeutschen Revier beträgt etwa 300 bis 400 Mio. €.

Im Jahr 2018 wurden in den vier Tagebauen des LEAG-Konzerns im Lausitzer Revier 60,7 Mio. Tonnen Rohbraunkohle gefördert. Davon wurden rund 84 % zur Stromerzeugung an die Kraftwerke der Lausitz Energie Kraftwerke AG (LE-K) geliefert. Des Weiteren erhielten der Veredelungsbetrieb Schwarze Pumpe (LE-B), die Zuckerfabrik Brottewitz (Südzucker AG)[b] [12] und die Brikettfabrik Deuben der MIBRAG Kohle der LE-B. Die Städte Leipzig, Cottbus, Spremberg sowie Weißwasser werden wiederum mit Fernwärme und regional ansässige Industrieunternehmen mit Prozessdampf der LE-K versorgt. In Summe generiert die LEAG ca. 86 % ihres Umsatzes aus der Verstromung und Fernwärme. Weitere rund 8 % des Umsatzes entfallen auf die Bereiche Förderung und Veredlung. Die LEAG-Gruppe erzielte im Jahr 2018 einen Fehlbetrag in Höhe von 229,2 Mio. € (2017: -119,9 Mio. €). Die jährliche Wertschöpfung der Unternehmensgruppe im Lausitzer Revier beträgt ca. 1,3 Mrd. €.

Der Umsatz der ROMONTA GmbH lag im Jahr 2018 mit 55,1 Mio. € über dem des Vorjahres (49,8 Mio. €). Der Großteil davon entstammt dem Wachsgeschäft, das durch Forschungs- und Entwicklungsarbeiten weiter vorangetrieben werden soll.

Der Umsatz der LMBV mbH betrug im Jahr 2018 rund 830.000 €. Ferner wurden Erlöse in Höhe von 2,3 Mio. € durch den Verkauf von Liegenschaften erzielt. Aufgrund der bergbaulichen und ökologischen Verpflichtungen schloss das Unternehmen das Jahr 2018 mit einem Gesamtergebnis von -27,2 Mio. € ab.

Zehntausende Hektar Betriebsflächen können neu genutzt werden

» Download: Flächeninanspruchnahme Braunkohlebergbau 2019 [Grafik] [Daten]


Der Braunkohlebergbau im Lausitzer Revier nimmt 7,6 % der gesamten Gebietsfläche ein. Davon entfallen 2,6 % auf Betriebsflächen inklusive der Tagebaue und 5,0 % auf bereits rekultivierte Flächen. Mit gut 31.500 ha ist der Großteil der rekultivierten Flächen (54 %) im Lausitzer Revier der Forstwirtschaft zugeführt worden (2,7% der Gebietsfläche). Die rekultivierten Flächen des Mitteldeutschen Reviers sind durch forst- und wasserwirtschaftliche Nutzungen geprägt. Insgesamt nimmt der Braunkohlebergbau nur einen geringen Teil der gesamten Gebietsfläche der Bundesrepublik ein. In den Revieren bieten sich dennoch Flächenpotenziale, die ggf. zukünftig auch bioökonomisch genutzt werden können.

 


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Quellen

[1] Schulz, Sabrina; Schwartzkopff, Julian (2018): Europäische Braunkohleregionen im Wandel. Herausforderungen in Deutschland und Tschechien. Herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung Prag und der Deutschen Umwelthilfe in Zusammenarbeit mit Glopolis und E3G. Prag.

[2]  European Commission (Hg.) (2020): Coal regions in transition. Online verfügbar, zuletzt geprüft am 01.07.2020.

[3] Thüringer Landesamt für Statistik (Hg.) (2020): Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen - Bruttolöhne und-gehälter nach WZ 2008. Erfurt. Online verfügbar, zuletzt geprüft am 17.06.2020.

[4] Mitteldeutscher Rundfunk (Hg.) (2018): Viele Orte wegen Braunkohleförderung verschwunden. Online verfügbar, zuletzt geprüft am 27.07.2020.

[5] Bundesverband Braunkohle (DEBRIV) (Hg.) (2019): Braunkohle in Deutschland. Daten und Fakten 2018. Berlin.

[6] Statistik der Kohlenwirtschaft e.V. (Hg.) (2020): Braunkohlenförderung. Stand 05/2020. Essen, Bergheim. Online verfügbar, zuletzt geprüft am 16.06.2020.

[7] Öko-Institut (2017): Die deutsche Braunkohlenwirtschaft. Historische Entwicklungen, Ressourcen, Technik, wirtschaftliche Strukturen und Umweltauswirkungen. (S.25). Studie im Auftrag von Agora Energiewende und der European Climate Foundation. Berlin

[8] Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen; Bundeskartellamt (Hg.) (2020): Monitoringbericht 2019. (S.47). Bonn.

[9] Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (Hg.) (2018): Mehr als nur Kohle. Zeitz. (S.2). Online verfügbar, zuletzt geprüft am 16.06.2020.

[10] Energiewirtschaftsgesetz - EnWG, vom 07.07.2005 (Zuletzt geändert durch Art. 5 G v. 25.05.2020 I 1070): Gesetz über die Elektrizitäts- und Gasversorgung.

[11] VA VI Braunkohlesanierung, vom 10.01.1995 (02.06.2017): Fünftes ergänzendes Verwaltungsabkommen zum Verwaltungsabkommen über die Regelung der Finanzierung der ökologischen Altlasten (VA Altlastenfinanzierung) in der Fassung vom 10. Januar 1995 über die Finanzierung der Braunkohlesanierung in den Jahren 2018 bis 2022 (VA VI Braunkohlesanierung) vom 2. Juni 2017.

[12] Mitteldeutscher Rundfunk (10.01.2020): Aus für Zuckerfabrik Brottewitz. Rübenbauern orientieren sich neu. Leipzig. Online verfügbar, zuletzt geprüft am 17.07.2020.

 Oei, Pao-Yu; Brauers, Hanna; Kemfert, Claudia; Hirschhausen, Christian von; Schäfer, Dorothea; Schmalz, Sophie (2017): Klimaschutz und Betreiberwechsel: Die ostdeutsche Braunkohlewirtschaft im Wandel. In: DIW-Wochenbericht 84 (6/7), S. 103–113.

 Wörlen, Christine; Keppler, Lisa; Holzhausen, Gisa (2017): Arbeitsplätze in Braunkohleregionen - Entwicklungen in der Lausitz, dem Mitteldeutschen und Rheinischen Revier. Kurzstudie für die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Hg. v. Arepo Consult. Berlin.

Internetauftritte und Jahresabschlüsse aller einbezogener Unternehmen.

Anmerkungen

[a]  EPH – Energetický a průmyslový holding, a.s. Die LEAG ist eine gemeinsame Marke der Lausitz Energie Bergbau AG und der Lausitz Energie Kraftwerke AG.

[b] Aufgrund der im Februar 2019 von der Südzucker AG beschlossenen Werkschließung endete mit der Kampagne 2019/20 im Januar 2020 die Zuckerverarbeitung der im Süden Brandenburgs gelegenen Zuckerfabrik Brottewitz – vgl. [12]