Arbeitsmarkt


Analog zur Entwicklung auf Bundesebene ist in beiden Revieren ein kontinuierlicher Anstieg sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung festzustellen. In den Regionen zeigen sich flächendeckend hohe Beschäftigungsquoten, die fast durchweg über dem Bundesniveau liegen. Weiterhin wird das hohe Qualifikationsniveau der Beschäftigten in den Revieren deutlich. Der Beschäftigtenanteil ohne Berufsabschluss ist sowohl im Mitteldeutschen als auch im Lausitzer Revier deutlich geringer als im Bundesdurchschnitt. Mit Blick auf die Qualifikation der Fachkräfte deutet dies auf eine günstige Basis für anstehende Transformationsprozesse hin.

Gleichzeitig werden mit dem prognostizierten Rückgang der Personen im erwerbsfähig Alter beträchtliche Wirkungen auf die regionalen Arbeitsmärkte einhergehen. Dies wird für die anstehenden Transformationsprozesse eine zentrale Herausforderung sein und muss auch bei der Entwicklung biobasierter Strukturen mitgedacht werden. Parallel zu den bestehen Unterschieden der Wirtschaftskraft zwischen Bund und Revieren zeichnen sich auch regionale Lohnunterschiede ab. Die Arbeitnehmerentgelte sind seit dem Jahr 2000 kontinuierlich gestiegen, liegen aber mit etwa 25 € in den Revieren rund 25 % unterhalb des bundesweiten Durchschnitts von derzeit rund 32 €.

1,2 Mio. Beschäftigte arbeiteten 2019 in den Revieren

Im Jahr 2009 gab es in Deutschland insgesamt 27,3 Mio. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Fortan ist die Zahl kontinuierlich gestiegen: 2019 wurden bundesweit mehr als 33 Mio. Beschäftigte registriert. Die Beschäftigtenzahlen belaufen sich in Summe in den Revieren auf rund 1,2 Mio. Menschen.


» Download: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Beschäftigungsquoten 2019 [Grafik] [Daten]


Die Beschäftigungsquote, als Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Alter von 15 bis unter 65 Jahren am Wohnort an der gleichaltrigen Wohnbevölkerung, liegt, bis auf die Städte Cottbus und Halle, über dem Bundesdurchschnitt von 60,9 %. Aufgrund des generell hohen Anteils sozialversicherungspflichtig beschäftigter Frauen in Ostdeutschland und der zunehmenden Mobilität ergeben sich vergleichsweise hohe Beschäftigungsquoten.[a]


» Download: Mitteldeutsches Revier [Grafik] [Daten] Lausitzer Revier [Grafik] [Daten]  


Etwa 70 % aller in den Revieren sozialversicherungspflichtig Beschäftigten besitzen einen anerkannten Berufsabschluss. Die drei kreisfreien Städte Leipzig, Halle und Cottbus weisen aufgrund der Bildungsstruktur einen hohen Anteil an Personen mit akademischen Abschluss auf. Folglich liegt in den Revieren eine gute Qualifikationsstruktur vor, die eine günstige Basis für anstehende Transformationsprozesse bildet.

Die Mehrheit aller Beschäftigten arbeitet im Dienstleistungssektor


» Download: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort 2019 [Grafik] [Daten]


Am 30.06.2019 waren im Lausitzer Revier 420.794 und im Mitteldeutschen Revier 778.886 Personen am Arbeitsort sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Etwa die Hälfte aller Beschäftigten arbeitet im Dienstleistungssektor (Wirtschaftsabschnitte O-Q sowie G-I). Im Lausitzer Revier folgte mit einem Fünftel der Beschäftigungsverhältnisse das Verarbeitende Gewerbe (C). Im Mitteldeutschen Revier sind je knapp 15 % der Beschäftigten mit der Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (M-N) befasst bzw. im Verarbeitenden Gewerbe (C) tätig.

Die Anzahl der Arbeitsuchenden ist rückläufig, aber weiterhin über dem Bundesdurchschnitt


» Download: Arbeitslosenquoten im Lausitzer Revier 2019 [Grafik] [Daten]


Die im Jahresdurchschnitt 2019 ermittelte Arbeitslosenquote lag einzig im Kreis Dahme-Spreewald mit 3,7 % unterhalb des Bundesdurchschnitts von 5,0 %. In je fünf der Kreise des Lausitzer und des Mitteldeutschen Reviers lag die Arbeitslosenquote über der des jeweiligen Bundeslandes. Da demographisch bedingt weniger Arbeitskräfte zur Verfügung stehen und aufgrund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahre, ist die Arbeitslosenquote in den betrachteten Regionen seit 2009 teilweise um 10 Prozentpunkte gesunken.



» Download: Arbeitslosenquoten im Mitteldeutschen Revier 2019 [Grafik] [Daten]



Der direkte Vergleich der Arbeitslosenquoten mit den polnischen und tschechischen Gebieten ist nicht möglich. So werden in Deutschland durch die Bundesagentur für Arbeit Personen in die Arbeitslosenquoten-Berechnung einbezogen, die älter als 15 Jahre sind und das Renteneintrittsalter noch nicht erreicht haben. Auf europäischer Ebene wird dies für die Altersgruppe der 15 bis 74-Jährigen vorgenommen. Aufgrund der größeren Bezugsvariable fällt die Quote entsprechend kleiner aus. Nach dieser Berechnung wurde für das Jahr 2019 in Deutschland eine Arbeitslosenquote von 3,2 % registriert. In Polen lag diese im Durchschnitt bei 3,3 % und in der Tschechischen Republik bei 2,0 %. Auf regionaler Ebene wurden in den polnischen Gebieten Lubuskie und Dolnośląskie Quoten von 2 %[b] und 3,3 % erfasst. In den beiden tschechischen Regionen Severozápad und Severovýchod lag die Kennziffer bei 3,0 % bzw. 1,7 %.[2]


Arbeitnehmerentgelte je Arbeitnehmer in den Revieren zumeist unter dem Bundesdurchschnitt 


» Download: Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer 2017 [Grafik] [Daten


Das Entgelt je Arbeitnehmer*in als Pro-Kopf-Größe erlaubt Aussagen zum Niveau des Entgeltes je durchschnittlich Beschäftigten (Lohnkosten) zwischen den einzelnen Wirtschaftszweigen der verschiedenen Regionen. Die durchschnittlichen Lohnkosten lagen in den Revieren im Jahr 2017 bis auf den Land-/Forstwirtschafts- und Fischereisektor unterhalb des Bundesdurchschnitts. Die Kenngröße des Lausitzer Reviers befindet sich konstant unter der des Mitteldeutschen Reviers. Im öffentlichen Dienst liegen die Entgelte aufgrund der Tarifregelung nah beieinander.

Die Lohnkosten zwischen den einzelnen Wirtschaftszweigen weichen teilweise deutlich voneinander ab. So sind sie im Verarbeitenden Gewerbe (C) erheblich höher als im Land-/Forstwirtschafts- und Fischereisektor (A). Innerhalb der Sektoren können die Entgelte ebenfalls stark variieren.

Arbeitnehmerentgelt pro Stunde liegt ca. ein Viertel unter dem deutschen Durchschnitt



» Download: Arbeitnehmerentgelt je Arbeitsstunde 2000 bis 2017 [Grafik] [Daten


Das Arbeitnehmerentgelt je Arbeitsstunde repräsentiert die durchschnittlichen Lohnkosten pro Arbeitsstunde. Im Jahr 2017 betrug das Arbeitnehmerentgelt im Lausitzer Revier 25,09 € und im Mitteldeutschen Revier 25,13 €. Damit liegen alle untersuchten Gebiete unter dem Bundesdurchschnitt von 32,10 €. Über die Jahre hinweg betrachtet, befinden sich die durchschnittlichen Arbeitsentgelte pro Stunde konstant rund ein Viertel unter dem nationalen Durchschnittslohn. Die Differenzen ergeben sich unter anderem aus den unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen und den verschiedenen Beschäftigungs- sowie Qualifikationsniveaus der Arbeitskräfte.

Leipzig, Halle und Cottbus ziehen Arbeitskräfte an

In der regionalen Struktur der beiden Reviere bilden die drei kreisfreien Städte und das sie umgebende Umland eine funktionale Einheit. Cottbus, Leipzig und Halle zeichnen sich durch eine hohe Arbeitsmarktzentralität aus, die sich in hohen positiven Pendlersalden widerspiegelt.
 


» Download: Pendlersalden im Lausitzer Revier 2008 und 2019 [Grafik] [Daten]


Der Pendlersaldo ergibt sich aus der Differenz von Einpendler*innen und Auspendler*innen über die Kreisgrenze. Laut Statistischen Ämtern des Bundes und der Länder arbeiteten beispielsweise 2019 53.572 Personen mit Wohnort im Landkreis Leipzig außerhalb der Region. Gleichzeitig pendelten 28.007 Beschäftigte zur Arbeit in den Kreis Leipzig. Daraus ergibt sich ein Pendlersaldo von - 25.565 Personen. Unter den betrachteten Regionen ist das der mit Abstand höchste Auspendlerüberschuss. Verantwortlich dafür ist die Nähe zum Ballungsgebiet der Stadt Leipzig, die ihrerseits den größten Einpendlerüberschuss verzeichnet.



» Download: Pendlersalden im Mitteldeutschen Revier 2008 und 2019 [Grafik] [Daten]


Pendlerverflechtungen werden unter anderem durch die zunehmende Mobilität im Arbeitsmarkt, Branchen- und Entgeltunterschieden zwischen Stadt und Land sowie einen guten infrastrukturellen Anschluss begünstigt.


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Quellen

[1] Bundesagentur für Arbeit (Hg.) (2018): Frauen holen am Arbeitsmarkt auf - Beschäftigungsplus aber vor allem durch Teilzeit. Online verfügbar, zuletzt geprüft am 29.06.2020.

[2]  Eurostat (Hg.) (2020): Arbeitslosenquoten nach Geschlecht, Alter und NUTS-2-Regionen (%). Online verfügbar, zuletzt geprüft am 14.07.2020.

    Anmerkungen

    [a] Der Beschäftigungsanstieg der letzten Jahre basiert maßgeblich auf der Zunahme der Teilzeit-Arbeitsplätze – vgl. [1]

    [b] Datenpunkt mit geringer Zuverlässigkeit.