Forschungseinrichtungen wie Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen sind zentrale Treiber regionaler Innovationen. Ihre Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten mehren das Wissen vor Ort und tragen damit erheblich zum Innovationspotenzial der Regionen bei. Kooperationen zwischen Forschungseinrichtungen auf der einen Seite und Akteuren aus Wirtschaft und Gesellschaft auf der anderen Seite garantieren zudem den Transfer neuen Wissens in die Anwendung. Ebenfalls wichtig für Zunahme und Verbreitung von Wissen sind die Ausbildungsaktivitäten der Wissenschaftseinrichtungen – darüber tragen die Forschungseinrichtungen maßgeblich zur regionalen Versorgung mit Fachkräften bei.

Mit Blick auf die Bioökonomie verfügen Mitteldeutschland und die Lausitz über eine umfassende Forschungslandschaft: Insgesamt konnten 59 Forschungseinrichtungen und Forschungsinstitute identifiziert werden, die sich mit den verschiedensten Fragestellungen rund um die Bioökonomie befassen [a]. Davon sind 41 Einrichtungen und Institute im Mitteldeutschen Revier und 18 im Lausitzer Revier ansässig. Neben vielen Instituten von Universitäten und Fachhochschulen forschen zahlreiche außeruniversitäre Einrichtungen in den Regionen zu Themen der Bioökonomie. Darunter elf Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft, fünf Institute der Leibniz-Gemeinschaft sowie Einrichtungen der Helmholz-Gemeinschaft und der Max-Planck-Gesellschaft. Die Themengebiete, die alle diese universitären und außeruniversitären Forschungseinrichtungen bearbeiten, sind so breit gefächert wie die Bioökonomie selbst. Sie reichen von Natur- und Ingenieurswissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Positiv fällt auf, dass die Bioökonomie in beiden Regionen systemisch betrachtet wird: Einrichtungen aus unterschiedlichen Disziplinen und Fachgebieten bringen hier spezifische Perspektiven und Schwerpunkte ein.

Einige der in den Revieren ansässigen Einrichtungen und Institute konzentrieren sich inhaltlich ganz auf Bioökonomiethemen – beispielsweise das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) in Leipzig oder das Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse (CBP) in Leuna. In anderen Einrichtungen hingegen befassen sich spezifische Arbeitsgruppen und Sub-Einheiten mit Bioökonomiethemen. Beispiele hierfür sind das Fraunhofer Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie (IMW), oder die Fakultät für Natur- und Umweltwissenschaften der Hochschule Zittau/Görlitz.

Ein Großteil der Forschungseinrichtungen konzentriert sind in den Universitätsstädten der Reviere. So befinden sich in Leipzig (20), Halle (14) sowie Cottbus (6) gut zwei Drittel aller identifizieren Forschungseinrichtungen und Forschungsinstitute. An diesen Standorten lassen sich zudem spezifische thematische Schwerpunkte der Bioökonomieforschung feststellen:

  • Leipzig: Biotechnologien & Systembiologie, Chemie, Wirtschaftswissenschaften
  • Halle: Biotechnologien & Systembiologie, Chemie, Agrarwissenschaften
  • Cottbus: Energietechnologien, Prozess- und Verfahrenstechnik, Umwelttechnologien

Mitteldeutschland ist bedeutender Standort der Bioökonomieforschung

 


» Download: Bioökonomie-Forschungslandschaft in den Revieren [Grafik | Daten]



» Download: Bioökonomie-Forschungslandschaft gesamt [Grafik: PNG | PDF]
                     Mitteldeutsches Revier [Grafik: PNG | PDF] | Lausitzer Revier [Grafik: PNG | PDF]


Mit insgesamt 41 Einrichtungen ist die Bioökonomieforschung im Mitteldeutschen Revier hervorragend vertreten. Gleichwohl konzentrieren sich die Einrichtungen und Institute an nur wenigen Standorten: neben den Universitätsstädten Leipzig und Halle in Schkopau, Merseburg und Leuna (allesamt Saalekreis) sowie Köthen als Standort der Hochschule Anhalt (Landkreis Anhalt-Bitterfeld). Auffällig im Mitteldeutschen Revier ist zudem die große Zahl der auf die Bioökonomieforschung spezialisierten außeruniversitären Einrichtungen – insbesondere der Leibniz-Gemeinschaft (z.B. Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, Leibniz-WissenschaftsCampus Halle – Pflanzenbasierte Bioökonomie) und der Fraunhofer-Gesellschaft (z.B. Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse). Weitere bedeutende Einrichtungen sind das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) sowie das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Insgesamt ist das Mitteldeutsche Revier ein überregional bedeutender Standort interdisziplinärer Bioökonomieforschung. Dies spiegelt sich auch in der dynamischen Entwicklung der Forschungslandschaft wider. Zahlreiche spezialisierte Einrichtungen wurden innerhalb der letzten zehn Jahre neu gegründet und konnten sich seither überregional etablieren.

Verglichen mit dem Mitteldeutschen Revier ist die Anzahl der Wissenschaftseinrichtungen und Institute, die im Lausitzer Revier zur Bioökonomie forschen, deutlich geringer und thematisch weniger spezifisch. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass im Lausitzer Revier weniger spezialisierte, außeruniversitäre Einrichtungen ansässig sind. Zentrum der dortigen Bioökonomieforschung ist Cottbus. Gleichwohl ist die Forschungslandschaft innerhalb des Reviers eher dezentral strukturiert. Weitere Einrichtungen finden sich neben Cottbus in den Landkreisen Dahme-Spreewald, Elbe-Elster, Oberspreewald-Lausitz und Görlitz. Lediglich in den Landkreisen Spree-Neiße und Bautzen sind keine Forschungseinrichtung angesiedelt [b]. Bedingt ist diese dezentrale Struktur u.a. durch Doppelstandorte einiger Einrichtungen (z.B. BTU Cottbus-Senftenberg, Hochschule Zittau/Görlitz). Anhand kürzlich erfolgter Neugründungen (z.B. Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie; Institut für CO2-arme Industrieprozesse des DLR) lässt sich auch für das Lausitzer Revier insgesamt eine gewisse Dynamik im Feld der Bioökonomieforschung feststellen.

Der Blick auf die Karte zur Bioökonomie-Forschungslandschaft zeigt ebenso, dass auch im Verflechtungsbereich beider Reviere zahlreiche Forschungseinrichtungen existieren, die sich mit teilweise hochspezialisierten Fragestellungen rund um die Bioökonomie befassen. Schwerpunkte befinden sich in den Großräumen Dresden und Potsdam.

 


» Download: Neugegründete Bioökonomie-Forschungseinrichtungen seit 2010 [Grafik]


Fokussierung der Einrichtungen auf die Forschung mit Mikroorganismen und Pflanzen

Grundlage aller Aktivitäten in der Bioökonomie bilden verschiedene biogene Rohstoffe. Anhand unterschiedlicher Rohstoffkategorien lassen sich inhaltliche Schwerpunkte der Forschungseinrichtungen in den Revieren abbilden. In Anlehnung an den Forschungsatlas der Plattform bioökonomie.de wird zwischen folgenden biogenen Rohstoffen unterschieden: Pflanzen, Tiere, Mikroorganismen, Pilze und Reststoffe.



» Download: Rohstofforientierung der Forschungseinrichtungen [Grafik: PNG | PDF]


Auf Grundlage dieser Differenzierung zeigt sich, dass die Rohstoffe Mikroorganismen und Pflanzen wesentliche Treiber der Bioökonomieforschung in den Revieren sind. Über beide Reviere hinweg, befasst sich jeweils 40 % der identifizierten Forschungseinrichtungen mit diesen beiden Rohstoffen. Im regionalen Vergleich zeigt sich jedoch, dass die Einrichtungen des Mitteldeutschen Reviers stärker mit Pflanzenforschung befasst sind (46 %) als die Einrichtungen im Lausitzer Revier (28 %). Dies gilt analog auch für Forschungsaktivitäten rund um die Nutzung von Reststoffen – jede dritte Einrichtung im Mitteldeutschen Revier befasst sich mit Reststoffen (Lausitzer Revier: 11 %). Reststoffe sind im Kontext des ressourceneffizienten und kreislauforientierten Ansatzes der Bioökonomie wichtige Ressourcen, deren optimierte Nutzung vielfältige Innovationspotenziale bietet. Die Rohstoffkategorien Tiere und Pilze spielen in beiden Revieren eine eher untergeordnete Rolle. Inhaltlich ist die Bioökonomie-Forschungslandschaft jedoch nicht ausschließlich auf die betrachteten biogenen Rohstoffe beschränkt. So befassen sich gut 20 % der Einrichtungen, zusätzlich oder ausschließlich, mit sonstigen natürlichen Ressourcen wie Wasser oder Sonnenenergie. Regional betrachtet ist diese Kategorie in der Lausitz besonders relevant – was nicht zuletzt an der starken Ausrichtung der dortigen Einrichtungen auf Energiethemen liegt.

Weiterhin zeigt sich, dass sich mehr als jede dritte Forschungseinrichtung auch mit Fragestellungen befasst, denen sich keine der zuvor genannten Rohstoffe und Ressourcen zuordnen lassen. In dieser Kategorie sind Einrichtungen vertreten, die sich mit systemorientierten Aspekten der Bioökonomie, wie dem wirtschaftswissenschaftlichen oder technologischen Überbau, und nicht (ausschließlich) mit spezifischen biogenen Rohstoffen oder weiteren natürlichen Ressourcen auseinandersetzen. Diese Einrichtungen leisten wichtige Beiträge zu systemischen Fragestellungen und zur interdisziplinären Ausrichtung der Bioökonomie und sind sowohl im Lausitzer und insbesondere im Mitteldeutschen Revier stark vertreten.


Biotechnologien und Chemie sind Forschungsschwerpunkte im Mitteldeutschen Revier – Energie- und Umwelttechnologien im Lausitzer Revier



» Download: Forschungs- und Entwicklungsbereiche der Forschungseinrichtungen [Grafik: PNG | PDF]


Die Forschungsaktivitäten in beiden Revieren sind auf vielfältige Forschungs- und Entwicklungsbereiche ausgerichtet. Besonders zentral sind die Bereiche Biotechnologien/Systembiologie und Chemie. Hier liegen allen voran auch die Forschungsschwerpunkte im Mitteldeutschen Reviers: 46 % der Einrichtungen befassen sich mit Themen zu Biotechnologien und Systembiologie, 37 % mit chemiebezogenen Fragestellungen. Dahingehend zeigen diese Forschungsschwerpunkte und Kompetenzen Schnittmengen mit strategischen und technologischen Ausrichtungen auf regionaler Ebene. So wird im Mitteldeutschen Revier im Zuge der Entwicklung der regionalen Bioökonomie u.a. ein Schwerpunkt im Bereich der chemischen Industrie gesetzt – spezifisch im Feld der grünen Chemie (Ritschel und Groth 2020, Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt 2014). Im Lausitzer Revier fokussiert sich die Erforschung der Bioökonomie insbesondere auf Energie- und Umwelttechnologien (jeweils 44 %). Somit sind auch im Bereich der Bioökonomie Forschungsaktivitäten und Kompetenzen am zentralen Energiethema und regionalen Selbstverständnis (Energieregion) der Lausitz ausgerichtet und durch eine gewisse Kontinuität geprägt. Weitere wichtige Forschungs- und Entwicklungsbereiche mit naturwissenschaftlich-technischer Ausrichtung in den Revieren sind die Materialwissenschaften (25 %), die Prozess- und Verfahrungstechnik (25 %), die Biodiversitätsforschung (24 %), sowie im Mitteldeutschen Revier die Agrarforschung (24 %).

Forschungsaktivitäten in den Wirtschafts-, Sozial-, Politik- und Rechtswissenschaften zur ganzheitlichen Betrachtung des Systems Bioökonomie sind ebenfalls wichtige Felder. Dahingehend lässt sich feststellen, dass sich diese flankierenden, systemorientierten Forschungsbereiche abseits der Natur- und Technikwissenschaften vorrangig im Mitteldeutschen Revier konzentrieren. Dort verfolgen beispielsweise das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) oder das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (IAMO) ganzheitliche Forschungsansätze zum System Bioökonomie, die über naturwissenschaftlich-technische Fokussierungen hinausgehen. Diese Systemorientierung ist ein wesentlicher Faktor der Diversität und ganzheitlichen Ergänzung der Bioökonomie-Forschungslandschaft im Mitteldeutschen Revier.


Bioökonomieforschung vorrangig auf die Biotechnologien, die Chemieindustrie und den Energiesektor ausgerichtet

Analog zur Bedeutung der Forschungs- und Entwicklungsbereiche Biotechnologien, Chemie und Energietechnologien sind die Energie- und Chemiewirtschaft zentrale Felder des Wissenstransfers. Knapp ein Drittel der Forschungseinrichtungen und -institute arbeiten mit Bezug zu diesen Branchen. Weitere wichtige wirtschaftliche Anwendungsfelder des generierten Wissens sind die Land- und Forstwirtschaft, die Ernährungswirtschaft sowie technologieorientierte Bereiche wie die Pharmaindustrie, der Maschinen- und Anlagenbau und die Automobilindustrie. Allerdings lässt sich auch ein großer Anteil der Einrichtungen anderen branchenübergreifenden Anwendungen zuordnen, als den hier explizit erfassten. So wird z.B. am Forschungszentrum Landschaftsentwicklung und Bergbaulandschaften der Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) zu zahlreichen Bioökonomiethemen geforscht. Die erzielten Ergebnisse sind für eine große Bandbreite von Anwendungen relevant (Ökologie, Landschaftsentwicklung, Rekultivierung etc.). Hervorzuheben ist auch, dass die Forschungseinrichtungen in den Revieren nicht ausschließlich anwendungsorientiert arbeiten. Revierübergreifend befassen sich 28 % der Einrichtungen auch mit Grundlagenforschung, die zunächst keinen Bezug zu wirtschaftlichen Anwendungen aufweist (z.B. Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), Max-Planck-Institut für Mikrostrukturphysik). Ein Großteil dieser Einrichtungen ist wiederum im Mitteldeutschen Revier konzentriert, was die bereits herausgestellte Diversität der dortigen Forschungslandschaft weiter unterstreicht.



» Download: Anwendungsfelder der Foeschungseinrichtungen [Grafik: PNG | PDF]


Wesentliche Akteure der Bioökonomie-Forschungslandschaft im Portrait

Die Analysen zur Bioökonomie-Forschungslandschaft in den beiden Revieren verdeutlichen die Vielfalt an Einrichtungen, Themen und Anwendungsfeldern. Zudem lassen sich in den Regionen Akteure identifizieren, die mit Blick auf Spezialisierung und Stellung regional, national und international von Bedeutung sind und aufgrund ihrer Größe regional ebenso zahlreiche Arbeitsplätze bereithalten. Weiterführende Informationen zu einigen zentralen Einrichtungen halten die folgenden Kurzportraits bereit.

Zu den Kurzportraits

Das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) wurde 1991 in Leipzig gegründet. Neben dem Hauptstandort mit rund 950 Angestellten in Leipzig, betreibt das UFZ weitere Standorte in Halle und Magdeburg sowie Versuchsstationen in Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) und Falkenberg (Brandenburg). Mit dem Ziel, Wege zur Vereinbarkeit gesellschaftlicher Bedarfe und einer gesunden Umwelt zu finden, forscht das UFZ in sechs Schwerpunkten, die zahlreiche Schnittmengen zum System Bioökonomie aufweisen: Ökosysteme der Zukunft, Wasserressourcen und Umwelt, Chemikalien in der Umwelt, Umwelt- und Biotechnologie, Smarte Modelle und Monitoring, Umwelt und Gesellschaft.

Zur Webseite des UFZ

Das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) wurde 2008 in Leipzig gegründet. Mit seinen heute rund 250 Mitarbeiter*innen forscht das DBFZ zu einer Vielzahl an Themen zum Schwerpunkt Biomasse. Ziel ist es, verschiedene Konzepte zur energetischen und stofflichen Nutzung von Biomasse zu entwickeln. Dazu wird das Augenmerk stets darauf gerichtet, dass die Ergebnisse im Einklang mit der Ökologie stehen sowie sozialverträglich und ökonomisch tragfähig sind. Forschungsschwerpunkte sind beispielsweise: biobasierte Kraftstoffe und Produkte, intelligente Biomasseheiztechnologien oder auch der Systembeitrag von Biomasse (Ressourcenpotenziale, Martkanalysen, Szenarienentwicklung). Das DBFZ ist eine gemeinnützige Forschungs-GmbH deren Gesellschafter das Bundeministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ist.
 

Zur Webseite des DBFZ

Das Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biologische Prozesse (CBP) besteht mit seinen etwa 50 Mitarbeitenden seit 2012 in Leuna (Saalekreis). Ziel der CBP-Forschungsaktivitäten ist es, mittel- bis langfristig fossile durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzten. Als Prozesszentrum für die stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe stellt das CBP ein Bindeglied zwischen laborgetriebener Entwicklung und industrieller Umsetzung dar. Neben der Rohstoffaufbereitung liegen weitere Schwerpunkte in den Bereichen biotechnologische und chemische Verfahren sowie der prozessbegleitenden Analytik. Beispiele aktueller Forschungsprojekte sind die Herstellung ökologischer Dämmstoffe aus Rapsschalen oder die Erzeugung von Biokunstharzen aus Hemicellulose.

Zur Webseite des Fraunhofer CBP

Als einer der größten Akteure in der Bioökonomie-Forschungslandschaft in den Revieren beschäftigt das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) rund 300 Angestellte. Seit der Gründung im Jahr 2012 ist es an den drei Standorten Halle, Jena und Leipzig vertreten. Leitbild des iDiv ist die Schaffung wissenschaftlicher Grundlagen für den nachhaltigen Umgang mit der Biodiversität der Erde. Hierbei steht nicht nur die Artenvielfalt im Fokus, sondern auch die genetische Vielfalt, Vielfalt an Funktionen in den Ökosystemen sowie die vielfältigen Interaktionen zwischen den einzelnen Funktionen. Forschungsbereiche sind unter anderem Biodiversitätswandel, Biodiversität und Ökosystemfunktionen sowie Biodiversität und Gesellschaft. In den letzten Jahren befassten sich Arbeitsgruppen des iDiv beispielsweise mit Projekten zur Erfassung eines umfassenden Inventars von Pflanzenarten.

Zur Webseite des iDiv

An der BTU Cottbus-Senftenberg wird ebenfalls aus unterschiedlichen Perspektiven zur Bioökonomie geforscht. Zentral sind hier verschiedene Institute der Fakultät für Umwelt- und Naturwissenschaften sowie der Fakultät für Maschinenbau, Elektro- und Energiesysteme. Diese Institute setzten sich sowohl aus naturwissenschaftlich-technischer als auch wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive mit der Bioökonomie auseinander. Projekte des Forschungszentrums Landschaftsentwicklung und Bergbaulandschaften (FZLB) befassen sich grundlagenorientiert mit ökologischen Fragestellungen sowie anwendungsorientierten Aspekten der Wiedernutzbarmachung von Bergbaufolgelandschaften im Lausitzer Reviers. Weiterhin wird durch den Lehrstuhl Umweltplanung der BTU aktuell die Initiative „Land-Innovation-Lausitz“ koordiniert. Im Netzwerk möchte die Initiative innovative Technologien und Nutzungsformen entlang der bioökonomischen Wertschöpfungskette entwickeln und erproben und die Landnutzung an die Klimaveränderungen anpassen.

Zur Webseite der BTU

Das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung und Transformationsökonomien (IAMO) wurde 1994 in Halle gegründet. Es beschäftigt aktuell etwa 130 Mitarbeitende. Das IAMO forscht mit interdisziplinären Perspektiven zur Nutzung natürlicher Ressourcen, z.B. hinsichtlich Veränderungsprozessen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft, der Organisation von Produktion und Wertschöpfungsketten, und der Entwicklung ländlicher Räumen. Es betreibt sowohl Grundlagen- als auch anwendungsorientierte Forschung.

Zur Webseite des IAMO

Der Leibniz-WissenschaftsCampus Pflanzenbasierte Bioökonomie bündelt die Aktivitäten verschiedener regionaler Institute der Leibniz-Gemeinschaft und der Martin-Luther-Universität Halle im Bereich der Bioökonomie. Damit bietet der WissenschaftsCampus seit seiner Gründung 2011 eine gemeinsame, inhaltliche Plattform. Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit sollen Kräfte gebündelt und Synergien erzielt werden. Ziel ist es, eine ganzheitliche Betrachtung und Beurteilung pflanzenwissenschaftlicher und biotechnologischer Innovationen zu ermöglichen. Dadurch soll eine Pflanzenproduktion ermöglicht werden, die einerseits die Ernährung der Weltbevölkerung sicherstellt und andererseits Rohstoffe effizient und nachhaltig nutzt. Fokus ist u.a. die Erforschung, Implementierung und Etablierung nachhaltiger, biobasierter Technologien in Industrieanwendungen und Energiewirtschaft mit dem Ziel, die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen zu reduzieren. Leibniz-Kooperationspartner des WissenschaftsCampus sind das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien, das Leibniz-Institut für Pflanzenbiochemie, das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung und das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle.

Zur Webseite des Leibniz-WissenschaftsCampus Pflanzenbasierte Bioökonomie WCH

Die Hochschule Zittau/Görlitz ist eine Fachhochschule für angewandte Wissenschaften. An der Hochschule befassen sich u.a. die Fakultät für Natur- und Umweltwissenschaften, sowie die Institute Ökologie- und Umweltschutz (IÖU) und Verfahrensentwicklung, Torf- und Naturstoff-Forschung (iTN) mit Bioökonomiethemen. Ein spezifisches, aktuelles Projekt ist das durch die Hochschule koordinierte Netzwerk LaNDER3. Das regionale Netzwerk aus Akteuren der Wissenschaft, Wirtschaft und Verbänden widmet sich Naturfaserverstärkten Kunststoffen die aus regional verfügbaren Biomassen und Reststoffen aufgeschlossen und in Hightech-Verbundwerkstoffen integriert werden. Dazu wurde im Jahr 2019 mit dem LaNDER3-Zentrum für Naturfasertechnologien eine interdisziplinäre Laborhalle (shared factory) in Betrieb genommen.

Zur Webseite der Hochschule Zittau/Görlitz



Quellen

[1] Ritschel, Falk; Groth, Sabrina (2020): Technologiefeldanalyse Innovationsregion Mitteldeutschland. Zentrale Ergebnisse. Hrsg: Innovationsregion Mitteldeutschland. Leipzig. Online verfügbar, zuletzt geprüft am 22.02.2021.

[2] Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt (2014): Regionale Innovationsstrategie Sachsen-Anhalt 2014-2020. Magdeburg. Online verfügbar, zuletzt geprüft am 22.02.2021.

Anmerkungen

[a]Die Betrachtung erfolgte auf Instituts-Ebene, d.h. insbesondere bei Universitäten und (Fach)Hochschulen wurden ggf. mehrere relevante Institute/Fachbereiche erfasst.

[b]Mit der Berufsakademie Sachsen befindet sich am Standort Bautzen eine Einrichtung, die neben Studienmöglichkeiten perspektivisch auch relevante Forschungskapazitäten bereitstellt.